Archiv für Juni 2009

Die Linkspartei sucht die Wohnungspolitik

Für heute Abend lädt die Fraktion der Linkspartei im Berliner Abgeordnetenhaus zu einer Diskussionsveranstaltung über „Soziale Wohnungspolitik“ ein. Das ist lustig, da eine greifbare Idee von Wohnungspolitik zur Zeit weder in der rot-roten Koalition noch in der Berliner Linkspartei erkennbar ist. Von sozialer Wohnungspolitik ganz zu schweigen.

Nun, möglicherweise soll es ja gerade darum gehen, eine „Soziale Wohnungspolitik für Berlin“ zu suchen. Der Haken dabei: Wer ernsthaft glaubt, allein mit der Drosselung von Privatisierungen öffentlicher Wohnungsbaugesellschaften, dem Einstellen jeglicher Förderungen für belegungsgebundene Wohnungen, einem bisschen Bevölkerungsmanagement à la Quartiersmanagement, dem Verhindern von Bundesratsinitiativen zur Verbesserung des MieterInnenschutzes und einer Mittelschichtsförderung durch gelegentliche Unterstützung von Baugruppen etwa „Wohnungspolitik“ zu betreiben, wer das glaubt, scheint für die Suche nach dem Sozialen darin ohnehin gänzlich verloren.

(mehr…)

Nachbarschafts-Einmischung Intensiv-Wochen

Nach den autonomen Actionweeks kommt nun ein ganz anderes zweiwöchentliches Programm nach Friedrichshain: Geballte Gemeinwesenarbeit, nachbarschaftliche Initiativen, allerlei Workshops, Events und was nicht noch alles bei den „14 schönen Tagen“ im Wriezener Freiraumlabor (WFL). (Programm mit Übersichtskarte der Veranstaltungsorte als pdf)

27. Juni bis 11. Juli auf dem Gelände des Wriezener Freiraum Labors entlang der Helsingforser Straße

Eine kleine Auswahl aus dem Programm:

(mehr…)

Bauen im Park II: Mauerpark

Der Mauerpark im Prenzlauer Berg, gleich an der Bezirksgrenze zum Wedding, ist mal wieder völlig überlaufen. Immerhin regnet es diesen Sommer ja öfters, so dass noch etwas von der Grasnarbe übrig ist. Da hat der Park ja schon deutlich schlimmere (trockene) Sommer erlebt.

Und zwar nicht nur, weil die Rasenflächen im Gegensatz zu jenen im repräsentativen Tiergarten nicht gegossen werden. Sondern auch, da der Park einfach viel zu klein ist für die vielen Menschen, die ihn nutzen.

Praktisch also, dass der Park nicht so klein bleiben soll. Eigentlich ist er für eine weit größere Fläche geplant gewesen, nämlich 14 statt der jetzigen acht Hektar. Nur lässt die Umsetzung auf der Seite des Weddings seit vielen Jahren auf sich warten.

Das Hauptproblem dabei: Das frühere Bahngelände auf der Weddinger Seite gehört der Bahn-eigenen Immobilienfirma Vivico, und die will es nur zu Preisen von Baugrundstücken herausrücken. Weder Bezirk noch Senat sind bereit, Geld für den Park auszugeben, und so will die Vivico handeln: Auf einem ordentlichen Teil der Fläche soll teuer-teuer-Wohnungsbau genehmigt werden, dafür bekomme die Stadt dann den Rest für den Park. Seitdem begnügen sich Senat und Bezirk damit, auf Plänen Klötzchen hin und her zu schieben, wo denn die schicken Wohnen-am-Park-Häuser hinkommen könnten, statt das öffentliche Bedürfnis nach einem größeren Park einfach durchzusetzen. (Hier ein aktueller Entwurf als pdf, mehr auch hier.)

Die AnwohnerInnen vom Bürgerverein Gleimviertel und den Freunden des Mauerparks e.V. sehen das aber ganz anders – schließlich ist die Fläche schon seit vielen Jahre als Grünfläche geplant: Die Vivico soll sich als Staatsunternehmen mal nicht so anstellen, und notfalls muss es die Stadt Berlin eben darauf ankommen lassen: Schließlich gibt es ja noch das legale Mittel der Enteignung, wenn GrundbesitzerInnen sich dem Verkauf zugunsten einer öffentlichen Nutzung versperren.
(mehr…)

Bauen im Park: Pläne für Tempelhof

Am 12. Mai wurden in einer Pressekonferenz die Ergebnisse des Wettbewerbs zu Errichtung des Columbia-Quartier vorgestellt. Dieses soll in der nordöstlichen Ecke des Ex-Flughafen Tempelhof und am Columbiadamm errichtet werden. Geplant sind eine dichte Bebauung für Besserverdiener, eine Bebauung, die sonst kaum jemand will.

Der Mieterrat Chamissoplatz hat bereits seine Stellungnahme zum Ideenwettbewerb Columbia-Quartier abgegeben: Er kritisiert, dass die Vorstellungen der AnwohnerInnen und Betroffenen, zunächst schnell in einer Online-Befragung eingeholt, nun keine Rolle mehr spielen und einfach abgehakt werden. Medias Spree lässt grüßen.

Auf die Kritik, die geplante Bebauung würde das Stadtklima der Berliner Innenstadt verschlechtern, rea­gier­te Senats­bau­direktorin Regula Lüscher genauso wie auf die Befürchtungen, ein Aufwertungs­projekt würde auch zu steigenden Mieten führen: „Das glaube ich nicht.“ bzw. „Das verstehe ich nicht.“ Dass gebaut werden soll, steht für die Senatsentfaltung für Stadtverwicklung einfach fest:

Sowohl im Columbia-Quartier am Columbiadamm als auch im Stadtquartier Neukölln werden neue Stadteile mit Wohnungen für die Berlinerinnen und Berliner, vor allem für Familien entstehen.

(mehr…)

Carlofts: Scheitern als Chance?

Auf Indymedia wird berichtet, das Luxuswohnprojekt „CarLofts“ sei praktisch gescheitert. Auch uns haben Gerüchte erreicht, der Eigentümer Kauka sei nach dem Abspringen aller bisherigen Kaufinteressierten auf den lokalen Stadtteilladen mit der Bitte zugegangen, einen Runden Tisch zu organisieren. Er scheint irgendwelche Angebote an den Widerstand gegen sein Bauprojekt machen zu wollen, was auch immer.

Und es scheint so, als ob regelmäßige Beschmutzungen der Neubaufassade, gelegentliche Steinwürfe, Demonstrationen, sowie die dazugehörige Medienrandale, auch mit der Gefahr von Angriffen öffentlich begründete Demonstrationsverbote, zur Folge gehabt hätten, dass die Kaufwilligen dort nicht mehr einziehen wollten.

Mal abgesehen von einer Erleichterung, dass nicht jedes Luxusprojekt in einem Kiez wie dem Reichekiez um- und durchsetzbar ist: Ist dies ein Gewinn? Ganz materiell ist ein Bauvorhaben unter vielen erstmal nicht so wichtig. Aufwertung findet immer noch hauptsächlich im Rahmen von mittelschichtsorientierten Bauvorhaben statt (da es in Berlin längst nicht so viele Millionäre gibt wie z.B. in Hamburg).

Symbolisch haben die Carlofts doch eine besondere Bedeutung. Ihr Bau deutete einen beschleunigten und fortgeschrittenen Wandel im Reichekiez an. Es ist anzunehmen, dass gerade dies andere Investoren angelockt hat, ebenfalls in diesem Kiez teure Eigentumswohnungen zu errichten.
(mehr…)