Das bunte Feuerwerk der WBA-Aktionen

Die Aktionswochen gegen Gentrification laufen bereits. Im letzten Jahr hatten die Aktionstage sich noch sehr stark auf die Verteidigung linker Hausprojekte bezogen, die von der Räumung oder gravierenden Mietsteigerungen bedroht waren, sowie typische linke-Szene-Aktivititäten. In diesem Jahr scheint der Fokus etwas weiter zu sein: Eine ganze Menge der angekündigten Veranstaltungen thematisiert allgemeinere Probleme der Stadtentwicklung und wagt den Schritt von parikularen zu breiteren sozialen Interessen, die vertreten und eingefordert werden.

Denn immerhin hat sich das hinter den Aktionswochen stehende Bündnis sowohl die Parole „Wir bleiben Alle“ als auch das Kürzel WBA aus einer zurückliegenden Zeit entlehnt, in der beides für sehr viel breiter angelegte Bündnisse und Kampagnen stand. Ende der 80er Jahre waren in Ost-Berlin einzelne Wohnbezirksausschüsse (WBA), unterste, eigentlich nebensächliche Struktur des realsozialistischen Staatsapparats, von linken Oppositionellen unterwandert worden. Unter diesem anerkannt-institutionellen Deckmantel konnte gegen den geplanten Abriss der Altbausubstanz protestiert und eine Fülle nachbarschaftlicher, subkultureller und links-oppositioneller politischer Veranstaltungen durchgeführt werden.

Im Jahre 1992, als per Bundesgesetz beschlossene enorme Mieterhöhungen für ostdeutsche Wohnungen wirksam wurden, wurde „WBA“ zum Kürzel für „Wir bleiben Alle“. Kiezversammlungen mit mehreren hundert TeilnehmerInnen waren keine Seltenheit, und zu den Demos kamen bis zu 20.000 wütene MieterInnen. Das „Wir“ in WBA meinte eben kein Szene-„Wir“, kein spezielles Milieu mit seinen eigenen Lebensvorstellungen, die es verteidigte. „Wir“ meinte wirklich alle betroffenen MieterInnen, für alle davon sollte gekämpft werden, und diese soziale Breite sollte das WBA-Bündnis auch aushalten.

Aber zurück zu den heutigen Aktionswochen: Es finden sich in der Veranstaltungsübersicht doch einige Ankündigungen, die allgemeine Probleme des Wohnungsmarkts und der aktuellen Stadtentwicklungspolitik aufgreifen. Und die seien hier einmal zusammengefasst.

Mi 10.6. 17:00 Uhr Brunnenstr. 6/7: Basteln gegen Gentrification

Do 11.6. 19:30 Uhr in der B-Lage, Mareschstr. 1 (Richardkiez): Infoabend zur Tempelhof-Entwicklung und -Besetzung. Auch mit einer Einordnung in die stadtpolitische Entwicklung Berlins – Gentrifizierung, steigende Mieten, wem gehört die Stadt und wer bestimmt?

Fr 12.6. 16:00 Uhr Kottbusser Brücke: Fahrraddemo gegen steigende Mieten

Fr 12.6. 19:00 Uhr Yaam, Stralauer Platz 35: „Dein Kiez außer Kontrolle“ – Konzert & Party u.a. zugunsten der Kampagne gegen steigende Mieten

Sa 13.6. 13:30-21:00 Uhr SfE, Gneisenaustr. 2a: Workshops zum Konfliktfeld Stadtraum im Rahmen der kapitalistischen Stadterneuerungspolitik

Mi 17.6. 20:00 Uhr Rigaer Str. 105: Workshop zu Management of Public Spaces am Beispiel Tempelhof

Fr 19.6. 18:00 Uhr Mauerpark: Kiezparade gegen Kürzungen und Yuppiesierung in Pankow

Fr 19.6. 19:00 Uhr Rigaer Str. 105: Workshop zu Interventionsmöglichkeiten gegen kapitalistische Stadtumstrukturierung – Investitionsklima verhageln?!?

Fr 19.6. 21:30 Uhr Versammlungsraum Mehringhof, Gneisenaustr. 2a: Info-Veranstaltung zum Aktionskonzept der Tempelhof-Besetzung

Sa 20.6. ab 12:00 Uhr: Besetzung des Tempelhofer Flughafengeländes

Darüber hinaus gibt es mehrere Anlässe zur Unterstützung mehr oder weniger akut bedrohter Haus- und Kulturprojekte. Die Bedrohungen gehen dabei alle den Weg der repressiven Seiten des Mietrechts.

Di 9.6. 9:00 Uhr Landgericht Littenstr. 14: Kundgebung wegen der Prozesse um Kündigungen gegen das Hausprojekt Liebigstraße 14

Do 11.6. 16:30 Uhr Revaler Str.2: Kiezdemo für die Entwicklung des RAW-Geländes im Interesse der AnwohnerInnen und NutzerInnen

Do 11.6. 19:30 Uhr New Yorck im Bethanien, Mariannenplatz 2: Vollversammlung zur Koordination von Widerstand gegen die angekündigte Räumung der Brunnenstraße 183 am 18.6.

Do 18.6. 7:00 Uhr Brunnenstr. 183: Aktivitäten zur Verhinderung der Räumung des Hausprojekts

Die ganze Zeit der Aktionswochen bis zum 21. Juni wird der Aktionstageticker mit ständig aktualisierten Neuigkeiten gefüttert. Das ist vor allem wichtig, da es auch eine ganze Menge Aktivitäten gibt, die (wie Besetzungen) nicht unbedingt vorher angekündigt werden, aber spontan dann doch zur Unterstützung aufrufen.

Es soll wieder ein „Wir bleiben Alle!“-Broschüre zu den Aktionswochen in Arbeit sein. Hier findet sich noch die Broschüre vom letzten Jahr, mit der versucht wurde, einen stadtpolitischen Bogen zwischen bedrohten Politprojekten, steigenden Mieten und auf Aufwertung zielender kapitalistischer Stadtentwicklung zu ziehen – und einen Ausblick über Möglichkeiten des Widerstands und der Selbstorganisierung zu geben.


3 Antworten auf „Das bunte Feuerwerk der WBA-Aktionen“


  1. 1 trudelfisch 12. Juni 2009 um 23:58 Uhr

    Jetzt ist sie da, die neue, aktuelle 2009er-WBA-Broschüre! Noch ganz druckfrisch an vielen Veranstaltungsorten der Actiondays erhältlich oder auch als pdf-Dokument auf dem Blog der WBA-Vernetzung.

  2. 2 Dioxin 19. Juni 2009 um 23:27 Uhr

    Ihr habt einen Link zu einem Aktionstageticker auf dieser Seite. Dort, im Ticker, steht, dass Fahrzeuge eines CDU-Politikers (Juhnke) abgefackelt worden wären. In mehreren Zeitungen war zu lesen, dass es sich nicht um Fahrzeuge des Politkers handelte, sondern um Fahrzeuge von unbeteiligten Personen. Bevor offensichtliche Desinformation betrieben wird, solltet Ihr den Link vielleicht lieber rausnehmen. PS: ein VW Caddy ist *keine* Nobelkarosse.

  3. 3 trudelfisch 20. Juni 2009 um 17:30 Uhr

    Wir haben tatsächlich auf den alten Aktionsticker der Aktionswochen verlinkt. (Hier ist übrigens der aktuelle, neue Aktionsticker – danke für den Hinweis und die indirekte Anregung, den Link zu überprüfen.)
    In dem Aktionsticker wird unter anderem ein sogenanntes Bekennerschreiben zur Inbrandsetzung zweier Fahrzeuge vorm Haus des CDU-Politikers Robbin Juhnke dokumentiert. So wahr es ist, dass ein VW Caddy alles andere als ein Luxusauto ist, so falsch ist die Darstellung, in dem Schreiben werde behauptet, die Autos hätten dem CDU‘ler gehört:

    In der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag haben wir in der Straße Alt-Buckow zwei Nobelkarossen vor der Wohnung von Robbin Juhnke (MdA der CDU-Fraktion) in der Hausnummer 6 flambiert.

    Wir verlinken auf den Aktionsticker, da sich ein großer Teil der angekündigten Aktionen mehr oder weniger direkt auf das Phänomen der Aufwertung von Stadtvierteln und das Problem steigender Mieten bezieht. Und über derlei Themen und Aktivitäten möchten wir hier im Blog informieren. Da es sich um sogenannte Do-it-yourself-Aktionstage handelt, können sich die OrganisatorInnen nicht so recht aussuchen, was da alles in dem geschaffenen Rahmen passiert. Das heißt allerdings nicht, dass der Rahmen daher in Bausch und Bogen abzulehnen wäre.
    Uns ist klar, dass das Anzünden von Privatautos oft relativ unbeteiligte Personen hart trifft. Daran gibt es immer wieder deutliche Kritik. Es dürfte auch aufgefallen sein, dass für derlei Aktionen hier auf dem Blog keine Partei ergriffen wird.
    Im übrigen verlinken wir auch auf Internetseiten wie Indymedia oder den Tagesspiegel, ohne alle dort angebotenen Artikel gut und unterstützenswert zu finden.

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