Carlofts: Scheitern als Chance?

Auf Indymedia wird berichtet, das Luxuswohnprojekt „CarLofts“ sei praktisch gescheitert. Auch uns haben Gerüchte erreicht, der Eigentümer Kauka sei nach dem Abspringen aller bisherigen Kaufinteressierten auf den lokalen Stadtteilladen mit der Bitte zugegangen, einen Runden Tisch zu organisieren. Er scheint irgendwelche Angebote an den Widerstand gegen sein Bauprojekt machen zu wollen, was auch immer.

Und es scheint so, als ob regelmäßige Beschmutzungen der Neubaufassade, gelegentliche Steinwürfe, Demonstrationen, sowie die dazugehörige Medienrandale, auch mit der Gefahr von Angriffen öffentlich begründete Demonstrationsverbote, zur Folge gehabt hätten, dass die Kaufwilligen dort nicht mehr einziehen wollten.

Mal abgesehen von einer Erleichterung, dass nicht jedes Luxusprojekt in einem Kiez wie dem Reichekiez um- und durchsetzbar ist: Ist dies ein Gewinn? Ganz materiell ist ein Bauvorhaben unter vielen erstmal nicht so wichtig. Aufwertung findet immer noch hauptsächlich im Rahmen von mittelschichtsorientierten Bauvorhaben statt (da es in Berlin längst nicht so viele Millionäre gibt wie z.B. in Hamburg).

Symbolisch haben die Carlofts doch eine besondere Bedeutung. Ihr Bau deutete einen beschleunigten und fortgeschrittenen Wandel im Reichekiez an. Es ist anzunehmen, dass gerade dies andere Investoren angelockt hat, ebenfalls in diesem Kiez teure Eigentumswohnungen zu errichten.

Ein Scheitern der Carlofts hat aber ebenso eine symbolische Bedeutung: Berlin bleibt Risikokapital (naja, manche Kieze der Innenstadt zumindest). Es fragt sich allerdings, ob die sich dem Thema steigende Mieten zuwendende Bewegung nun in Selbstbeweihräucherung verfällt, oder ob sie die Augen aufmacht und feststellt, welche Bauvorhaben noch in diesem und anderen Kiezen eine Aufwertung vorantreiben dürften.

Und dann wäre da noch die Frage, ob Abschreckungspolitik die Wahl der Mittel bestimmen sollte. Eigentlich sollte doch die Vernetzung in den Kiezen im Vordergrund stehen: Die Vernetzung all derjenigen, die steigende Mieten fürchten müssen und die nicht in Kiezen und Städten wohnen wollen, in denen die Milieus entlang ihres Einkommens auf verschiedene Viertel aufgeteilt werden. In denen diejenigen mit dem wenigsten Geld kaum noch eine Wahl haben, eben das nehmen müssen, was am, Stadtrand und in deklassierten Armutsvierteln für sie noch übrig bleibt.

Eine Vernetzung, um sich gegenseitig gegen die Folgen der Aufwertung zu unterstützen. Um offensiv die gemeinsamen Interessen vertreten zu können und eine wirkliche soziale Stadtpolitik durchzusetzen. Für eine andere Art von Aufwertung, die zwar den Gebrauchswert von Wohnungen und Kiezen steigert, jedoch nicht auf Kosten eines steigenden Tauschwertes. In diesem Sinne: Aufwertung für alle – und zwar umsonst!


3 Antworten auf „Carlofts: Scheitern als Chance?“


  1. 1 DJ Tüddel 30. Juni 2009 um 13:54 Uhr

    Jetzt wird das Scheitern der Carlofts als Luxus-Eigentumswohnungs-Projekt auch öffentlich bestätigt.

    Das Luxuswohnprojekt „Carloft“ Kreuzberg ist offenbar ein Riesenflop. Von den elf Lofts in der Reichenberger Straße, bei denen man das Auto mit in die Wohnung nehmen kann, konnten bislang nur zwei vermietet werden, erklärt die Pressesprecherin der zuständigen Business Network Marketing- und Verlagsgesellschaft, Corinna Kaspar, der taz.

  2. 2 Jan 07. September 2009 um 16:57 Uhr

    Ich denke, dass das Wohnprojekt Carlofts trotz seiner momentanen Schwäche nicht zu unterschätzen sein sollte. Denn wie haben wir aus Erfahrung gelernt: Ein runder Tisch ist noch lange keine Kapitulation. Zu bedenken ist auch, dass die regelmäßigen verschmutzungen und Beschädigungen der Fassade stark nachgelassen hat, seit dem von der ansässigen Sicherheitsfirma nachts zum teil rechtsextrem aussehende Gestalten angeheuert worden sind. Ich denke es ist wichtig nicht nur wie vergangenen Sonntag ein gemütliches Filmegucken vor den Lofts zu veranstalten, sondern wehement und offen zur Zerstörung aufzurufen. Denn irgendwann werden die jetzt noch leerstehenden Wohnungen ebenfalls vermietet oder verkauft sein.

  3. 3 Tim 01. Februar 2010 um 19:56 Uhr

    Also ich finde die Idee der CarLofts ziemlich gut, wenn ich das Geld hätte würde ich auch eine dieser Wohnungen anmieten, ist doch praktisch. Also ich würde hier nicht zur Zerstörung aufrufen sondern zur Akzeptanz. Ist doch ein Blickfang und kann dem Viertel doch nur gut tun. LG

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