Scheinriesen auf Aktion bei der SPD

Im Vorfeld war der lokale Blätterwald schon ordentlich zum Rauschen gekommen, dann erwartete die BesucherInnen ein ungewöhnlich großes Aufgebot in Grün mit allerlei Absperrgittern und verweisenden Kundgebungsauflagen.

Die SPD hatte zur Nabelschau gerufen und Protest war angekündigt worden. Das was Steinmeier, Wowereit & Co. als „moderne Großstadtpolitik“ bejubelt sehen wollen, stufen linke stadtpolitische Gruppen als unsozial ein: Eine Politik, die vor allem auf das Standortinteresse schaut sowie große Unternehmen und Mittelschichten bedient.

Für den Protest hatte es zwar einen packenden Aufruf mit zahlreichenden unterstützenden Gruppen gegeben, doch kamen nur Wenige zur Kundgebung selbst. Etwa 30 beobachteten von der anderen Straßenseite der wirklich breiten Holzmarktstraße den Eingang des Radialsystem V, einige durften gar direkt vorm Eingang Flugblätter an die Gäste der Veranstaltung verteilen. Leider gab es für die Kundgebung kein erkennbares Konzept, das die Anwesenden eingebunden oder ihnen wenigstens die Zeit vertrieben hätte.

Drinnen wurde dann auch gar nicht über städtische Umstrukturierung und Gentrification gesprochen – das gab jedenfalls der Tagesspiegel kund, der aber auch behauptete, der Protest sei schlicht und einfach ausgefallen. Auch in der jungen Welt wurde von der Veranstaltung berichtet:

Klaus Wowereit, (…) weiß um die »Leistungsträger« unter den Metropolenbewohnern als Wählerpotential. Deshalb strebt er einen »Kreativpakt zwischen Politik, Wirtschaft, Künstlern und Kreativen an«. Seine Botschaft an die im »Radialsystem« versammelten Funktionsträger seiner Partei lautete: sozialdemokratische Großstadtpolitik zwar nicht für alle, aber mit allen machen zu können.

Während drinnen große Reden geschwungen wurden, tauchte draußen auf dem Spreeufer ein Kahn voller Media-Spree-Versenker auf, die Sirenen heulend und Transparente schwingend auf sich aufmerksam machten. Allerdings war es die mit einem eigenen Boot ausgestattete Polizei, die sofort den Piraten-Job übernahm und das Protestboot enterte. Später war auch die südliche Seite des Spreeufers polizeilich gesperrt, um jeden Protest gegenüber dem Radialsystem V zu unterbinden.