Gentrification in Ausstellung und Film

Ausstellungseröffnung und Filmabend in einem: Im Südflügel des Bethanien („NewYorck59″) gibt es am Freitag, den 31. Juli gleich das Doppelpack, und alles zum Thema Gentrification.

Die Ausstellung wurde von (Nord-)NeuköllnerInnen erarbeitet, die sich selbst als Teil einer beginnenden Aufwertung des Kiezes sehen, aber dennoch (oder gerade darum) gegen die negativen Seiten dieser Entwicklung stellen möchten.


Der Zuzug von Studierenden und Künstler_innen lässt also Wohnungsbaugesellschaften und Vermieter_ innen auf Wertsteigerungen hoffen. Da wir, die Macher_innen dieser Ausstellung, allesamt (Ex-)Studierende sind, müssen wir uns fragen, wie wir mit der Situation und der uns zugedachten Rolle umgehen können. Genauso wie viele andere Bewohner_innen Neuköllns wollen wir keine Mietsteigerungen und keine Verdrängung.
Deshalb heißt es unbequem zu werden und den Plänen von oben eigene Vorstellungen entgegenzusetzen. Bisher sind die Pläne von Stadt und Bezirk teilweise noch sehr unkonkret, in der Planungsphase oder kommen schlicht nicht voran. Nutzen wir es also aus, dass Stadt und Bezirk auf der Stelle treten und kommen wir ihnen mit unseren Ideen zuvor. Es soll schließlich nicht alles bleiben, wie es ist, sondern ganz anders anders werden. Einen Anstoß dazu sollen die hier zusammengetragenen Informationen geben.

Der Film „Empire St. Pauli“ stammt jedoch aus Hamburg, wo der Pauli-Kiez von einer recht stürmischen Aufwertungswelle überrollt zu werden droht, sich aber eine ganze Menge spannender Aktivitäten dagegen entwickelt haben.

Im globalen Städte-Wettbewerb setzt sich Hamburg in Konkurrenz zu anderen Metropolen. Stadtentwicklung soll günstige Standortfaktoren für Unternehmen, Investoren und Touristik gewährleisten, die letzten Lücken in der so genannten „Perlenkette“ entlang des Elbufers werden imagebildend geschlossen.

Hamburgs berühmtester Stadtteil St. Pauli war lange auch der ärmste. Mittlerweile leben und arbeiten hier jedoch immer mehr Gut- und Bestverdienende. Die sozialen Gegensätze verschärfen sich. Der Film zeigt, dass St. Pauli nicht nur als Ausgeh- und Amüsierviertel, sondern vor allem als Wohn- und auch Wirtschaftsstandort attraktiv geworden ist. Altbauten verschwinden oder werden aufwändig saniert, das Mietniveau steigt rasant, Mietwohnungen werden in Eigentumswohnungen umgewandelt. Wer sich wehrt oder nicht mehr in das neue Bild passt wird des Ortes verwiesen – direkt oder indirekt. Das ist Gentrifizierung.

Die Ausstellungseröffnung findet am Freitag, dem 31. Juli um 19:30 Uhr in der New Yorck im Bethanien-Südflügel, Mariannenplatz 2, statt. Um 20:30 Uhr wird der Film „Empire St. Pauli“ gezeigt. Die Ausstellung ist bis zum 31. August zu sehen. Vor und nach dem Film ist Zeit für regen Austausch über steigende Mieten und Gentrifizierung und vor allem die vielfältigen Formen des Widerstandes dagegen.

Wer’s nicht abwarten kann: Auf dem Neukölln-Wiki ist die Ausstellung auch als PDF (1,6 MB) herunterladbar.


1 Antwort auf „Gentrification in Ausstellung und Film“


  1. 1 DJ Tüddel 16. August 2009 um 20:39 Uhr

    Am Freitag berichtete das Neue Deutschland über die Ausstellung der NeuköllnerInnen im Bethanien: Auf Dauer kommen Reiche

    Die Grundthese ist, dass die gezielte Aufwertung eines Gebiets dieses zwar vorübergehend attraktiver, interessanter und abwechslungsreicher macht, auf Dauer aber vor allem denjenigen etwas bringt, die das Geld haben – Investoren und Zugezogene mit hohem Einkommen.

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