Illustre Mieterbewegungen

Zurückliegende Mieterkämpfe haben auch eigene Illustrationen hervor­gebracht. Wir haben ein bisschen in Archiven geblättert und ein paar Beispiele herausgepickt.

Wir bleiben alle! (WBA’92)

Auch wenn dieser Spruch heute von einem linksradikalen Bündnis bedrohter Haus­projekte als Titel benutzt wird, Anfang der 90er stand er für eine bei Weitem größere Bewegung: Gegen die per Gesetz eingeführten drastischen Mietsteigerungen in den kommunalen Wohnungsbeständen des „Beitrittsgebiets“ gingen am 9.9.1992 immerhin 20.000 MieterInnen auf die Straße.

Mehr nachzulesen über diese WBA-Zeiten, in denen mit WIR wirklich noch ALLE MieterInnen gemeint waren und nicht nur eine bestimmte Szene, gibt es in einem hier dokumentierten Bericht (pdf, 2,8 MB) aus dem Buch „Umkämpfte Räume“.

Die 80er Jahre (West)

Spannend wäre ja, auch etwas aus den Frühzeiten der WBA-Selbst­organierung zu haben, als im Prenzlauer Berg einzelne Wohnbezirks­ausschüsse (WBA) links-oppositionell unterwandert worden sind, u.a. um die Interessen der MieterInnen gegen die herrschende Abrisspolitik des Ostberliner Magistrats zu vertreten. Haben wir aber nix Illustratives zu bieten…

Aus Westberlin ist uns schon einiges mehr überliefert, gab es doch in den 80ern dort eine starke Mieterbewegung, wobei die zahlreichen Hausbesetzungen, die als spektakuläre Ereignisse in die Geschichte eingegangen sind, sicherlich nur die Spitze des Eisbergs waren.

Die 80er Jahre durchzog anscheind auch der Kampf gegen den Weißen Kreis. Dieser war ein Symbol für alle Städte der BRD, in denen die staatliche Mietpreisbindung abgeschafft worden war. Bis 1987 standen die Mieten nämlich nicht nur in Ostberlin unter staat­licher Regula­tion. Der West­berliner Senat entschied damit über Mieterhö­hungen – am liebsten immer gleich nach den Wahlen. 1988 war der Kampf gegen den Weißen Kreis verloren, die Mieten wurden dem Markt überlassen.

The Sound of Eviction

San Francisco war nicht nur das Zentrum des New Economy Booms bis ins Jahr 2000, sondern aufgrund der enormen Nachfrage noch schickem Wohnraum durch sehr gut verdienende Kreativlinge auch einem immensen Gentrifizierungsdruck unterworfen. Besonders im von der Latino-Community geprägten Mission-District, aber auch in anderen Stadtteilen regte sich einiger Widerstand. Die meisten der folgenden Illustrationen, dem Buch „Reproduce & Revolt/Reproduce & Rebelate“ entnommen, dürften dieser Bewegung zuzurechnen sein.

Über die Anti-Gentrifizierungs-Bewegung in San Francisco um die Zeit von 2000/2001 hat ein linkes Filmkollektiv einen Dokumentarfilm gemacht, der hervorragend den Aufwertungsprozess erklärt und unterschiedliche Möglichkeiten des Widerstands begleitet: Boom – The Sound of Eviction.