„Spirit of the eighties“

Anmerkung der Tipperin: Hausbesetzungen waren schon immer nicht nur eine Möglichkeit, sich Wohnraum zu nehmen, wenn er zu teuer war oder einfach leer stand. Besetzen ist auch zu einem wichtigen Protest-Instrument geworden, mit dem gegen eine verfehlte Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik Zeichen gesetzt wurden. Wenn die Stadtpolitik sich vor allem an den Interessen der großen Unternehmen, der Reichen oder auch der selbstgenügsamen Mittelschicht orientiert und die (Wohnungs-)Nöte all jener missachtet, die auf dem Wohnungsmarkt nicht die freie Auswahl gewonnen haben, dann ist Besetzen ein wichtiges Mittel, selbstbestimmt für Abhilfe zu sorgen und die Stadtpolitik unter Druck zu setzen. Die Programme sozialer und relativ behutsamer Stadterneuerung, die im Kreuzberg der 80er Jahre eingesetzt worden sind, waren schließlich auch auf die unglaubliche Menge an Hausbesetzungen zurückzuführen, die den Senat unter Druck setzte. Da diese Programme halfen, für eine ganze Weile noch relativ günstige Mieten zu sichern, hatten auch Mieter/innen etwas von den Besetzungen.

Dies ist ein Aufruf, sich an der Demonstration gegen das gerade beschlossene niederländische Hausbesetzungsverbot in Utrecht (24. Oktober) und an den Squatting Action Days (30. Oktober bis 1. November) zu beteiligen.

An all die Leute die gegen das Hausbesetzungsverbot sind,
an all die Hausbesetzer_innen, lebend in den Niederlanden und außerhalb,
spezieller Aufruf an alle spanischen, polnischen und italienischen Hausbesetzer_innen in den Niederlanden (ihr seid viele, aber nur wenige von euch sind aktiv),
an alle Ex-Hausbesetzer_innen,
an alle jungen Menschen die gerne Hausbesetzer_innen in der Zukunft werden möchten,
an all die Freunde der Hausbesetzer_innen,
an alle politischen Aktivist_innen,
an alle antifaschistischen Aktivist_innen,
an alle Künstler_innen, die Kunst kreieren und/oder in besetzten Häusern performen,
an all die Bandmitglieder und DJ’s die in besetzten Häusern auftreten,
an all die Partypeople und Technofreaks, die auf Partys und Konzerte in besetzten Häusern gehen,
an alle Reisenden, welche besetzte Häuser besuchen und dort wohnen,
an alle, die nicht genannt wurden.

Wie ihr wahrscheinlich wisst, werden dunkle Tage für die Hausbesetzer_innenbewegung in den Niederlanden kommen. Am 15. Oktober wählte die Tweede Kamer (Zweite Kammer des niederländischen Parlaments) für ein Hausbesetzungsverbot. Bitte erinnert euch, dass dies nicht ohne die Unterstützung von rassistischen und ausländerfeindlichen Politiker_innen wie Rita Verdonk und Geert Wilders passiert wäre. Ab dem 1. Januar 2010 wird es in den Niederlanden illegal sein, Häuser zu besetzen. Wenn du versuchst ein leerstehendes Haus zu besetzen, wirst du als Kriminelle_r behandelt und dementsprechend von den niederländischen Behörden und Autoritäten bestraft werden. Die Strafen sind sehr hoch und reichen von einem Jahr bis zu zwei Jahren Knast!

Dies ist eine sehr ernste Bedrohung! Lasst die Politiker_innen nicht die Hausbesetzer_innenbewegung zerstören! Wir können nicht warten! Wir müssen jetzt handeln!

Die Zukunft der niederländischen Hausbesetzer_innenbewegung liegt in unseren Händen. Dies ist ebenso eine große Verantwortung. Wir sollten Respekt zollen an all die vorherigen Generationen, die Häuser Besetzen in den Niederlanden möglich gemacht haben. Sie opferten eine Menge Zeit und Energie für uns. Wir sollten an all die Jugendlichen denken, die gerne die Möglichkeit hätten, zukünftig in besetzten Häusern zu leben.

Es ist möglich, dass wir sehr nette Nachbarn haben, aber bitte erinnert euch, dass die meisten von ihnen nicht für unsere Häuser kämpfen werden.

Die Massenmedien und die Politiker_innen sagen, wir wären wenige, aber unser Geist ist stärker als dieses verrottete und unmenschliche Gesetz, das die Politiker_innen kreiert haben! Wir sollten ihnen und den Polizeieinheiten unsere Entschlossenheit, unser Recht auf Wohnen zu verteidigen, zeigen.

Die Massenmedien und die Politiker_innen sagen, wir wären gewalttätig, aber die Christen der CDU (Christliche Demokratische Partei (gleichnamige niederländische Partei, Anm. d. Übers.), CU (Christliche Union), und SGP (orthodoxe protestantische Partei) sind gewalttätig. Für sie sind leerstehende Häuser wichtiger als Menschen auf der Suche nach einem Zuhause. Diese Christ_innen entschlossen, dass die Polizei kommen und uns festnehmen wird, wenn wir es versuchen, nach dem 31. Dezember 2009 ein Haus zu besetzen.

Wie hören einige der Hausbesetzer_innen sagen: „Wir werden aus den Niederlanden wegziehen“. Andere sagen: „Wir sind verängstigt, an Aktionen und Demonstrationen teilzunehmen, weil es nicht gerade erfreulich ist, verhaftet zu werden“. Bitte gebt diese Befriedigung nicht den Politiker_innen, sie werden sehr glücklich sein, dies von euch zu hören. Besonders unsere „Lieblinge“ wie Rita Verdonk und Geert Wilders.

Wir sollten stolz sein, wer wir sind, und unser Recht, leerstehende Häuser zu besetzen, verteidigen. Gebt nicht ohne Kampf auf! Einige von euch erinnern sich an die stolze und wütende Jugend Kopenhagens, welche für das Ungdomshuset und Würde kämpfte. Einige von euch haben den Kampf sicherlich unterstützt. Wir sollten den Geist der Jugend von Dänemark und Griechenland auf die Straßen der Niederlande bringen!

Politiker_innen haben uns keine andere Wahl gelassen! Ab dem 01. Januar werden wir wählen müssen, obdachlos oder kriminell zu sein. Diese Wahl ist nicht angemessen für uns! Wir werden weder auf der Straße, noch in den Knästen leben! Wir sind Menschen und wir verdienen Respekt!

Für viele von uns ist es eine Art des Lebens, Hausbesetzer_in zu sein. Eine Menge von uns verbrachten ihre beste Zeit in besetzten Häusern. Wir hatten unvergessliche Abenteuer zusammen. Wir haben eine Fülle an unbezahlbaren Erfahrungen gemacht, wie in selbstorganisierten Kommunen oder Wohnkollektiven zu leben. Viele von uns lernten ihre Freunde und Freundinnen in besetzten Häusern kennen. Viele von uns hatten eine Menge Spaß in zahllosen Hauspartys. Noch ein weiterer Grund, gegen das Verbot zu kämpfen!

Ignoriert nicht die ernsten Bedrohungen gegen unsere Bewegung! Benutzt eure Vorstellungskraft, öffnet eure Augen, steht auf und handelt!

Unser Kampf ist für eine Welt ohne Kapitalismus, Diskriminierungen wegen Herkunft oder Geschlecht, ohne Armut und Krieg!

Wir sehen uns auf den Straßen!

„Spirit of the eighties“ Kollektiv

BITTE:
An alle polnischen, italienischen und andere, übersetzt diesen Aufruf in eure Sprache,
An alle, sendet diesen Aufruf an eure Freunde,
Und druckt euch diesen Aufruf aus und verteilt ihn an die Menschen.
All dies um unsere Hausbesetzer_innenbewegung, Freunde und zahllosen Unterstützer_innen zu mobilisieren


1 Antwort auf „„Spirit of the eighties““


  1. 1 DJ Tüddel 24. Oktober 2009 um 1:10 Uhr

    Bei Indymedia gibt’s ein Interview mit Hausbesetzer/innen aus Utrecht über das niederländische Besetzungsverbot und wie die Leute darauf reagieren.

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