Nobelpreis für Allmende-Forschung

Vor einer Weile veröffentlichte eine populär orientierte Berliner Antifagruppe eine Broschüre gegen die Privatisierung der öffentlichen Daseinsvorsorge. „They gonna privatize the air“ hieß das, und ist lustigerweise nur käuflich erhältlich. Die freie PDF-Version rangiert bei Google leider auf den hinteren Plätzen. Egal: Die Broschüre gibt einen Überblick über verschiedene Ebenen der Privatisierung öffentlicher Güter und zahlreicher Proteste, Widerstände und Kämpfe dagegen: Seien es öffentliche Freiräume, Gebäude, kommunale Wohnungen oder Infrastruktur wie Wasser, Verkehrsbetriebe und was nicht noch alles. Gemein ist den meisten dieser öffentlichen Güter, dass sie in staatlicher Verwaltung liegen. Aber gibt es nicht noch etwas anderes als die bloße Alternative zwischen Markt und Staat? Was helfen uns staatliche Betriebe, wenn sie mit der nächstbesten neoliberalen Welle wieder privatisiert werden?

Jetzt hat eine Allmende-Forscherin den Nobelpreis für Wirtschaft erhalten. Weil sie untersucht hat, unter welchen Bedingungen öffentliche Güter „erfolgreicher“ gemeinschaftlich von ihren NutzerInnen verwaltet werden können als von Staat oder Markt. Worin dieser „Erfolg“ bestehen soll, blieb bei den meisten Berichten zur Nobelpreisverleihung leider im Dunkeln.

Spannend war jedoch das Sinnieren über die gesellschaftliche Problematik des (Privat-)Eigentums, das als Kontrapunkt untrennbar mit der Allmende verknüpft ist. Zum Beispiel hier:

Der Kapitalismus ist auch ein Produkt der endgültigen Entscheidung des Kampfes um die Allmende. Hinter dem englischen Sprichwort, dass „die Schafe die Menschen fressen“, stand die Erfahrung der Einhegung fast des gesamten Weidegrunds und der daraus folgenden Verarmung und langfristigen Proletarisierung der Bevölkerung. Wenn große Insurrektionen nach Art des Bauernkriegs auch ausblieben, so fand die private Aneignung öffentlicher und nicht verarbeiteter Güter in der Frühphase des Kapitalismus offensichtlich allgemein nur geringe Akzeptanz. Allein für das Jahr 1850 verzeichnete die preußische Kriminalstatistik 265.000 Fälle von Holzdiebstahl. Aber dieses Problem haben die bürgerlichen Staaten durch Repression, vor allem aber dank der Eigentumsmoral über die Jahrzehnte überwunden.

aus: Axel Berger „Und es geht doch!“ Jungle World Nr. 44 vom 29.10.09
Foto: Hans Wolff, public domain


1 Antwort auf „Nobelpreis für Allmende-Forschung“


  1. 1 antifafreundin 02. November 2009 um 16:30 Uhr

    zur richtigstellung und für alle gibt es die angesprochene broschüre hier frei als download:

    http://www.antifa.de/cms/component/option,com_docman/task,cat_view/gid,51/limit,15/limitstart,15/

    nur zusammen gehts…

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