Archiv für Dezember 2009

Senat forciert Aufwertung in Nord-Neukölln

Andrej Holm beschreibt auf seinem Gentrification-Blog recht deutlich, was Ingeborg Junge-Reyers Senatsverwaltung in Neukölln nördlich der Sonnenallee vorantreiben will: Die Aufwertung des Stadtviertels, ohne dabei die MieterInnen vor zu erwartenden Mieterhöhungen zu schützen.

„In den etwa 1 000 Häusern im Untersuchungsgebiet leben meist Familien mit niedrigem Einkommen, die Wohnungen, deren Mieten vergleichsweise gering sind, sind oft in baulich schlechtem Zustand.“ (Berliner Zeitung vom 10.12.09)

Denn öffentliche Gelder sollen im neuen Sanierungsgebiet lediglich für Straßenbau und andere Arten der öffentlichen Infrastruktur ausgegeben werden. Die Modernisierung der Wohnhäuser sollen die privaten Eigentümer leisten, die diese Ausgaben dann freilich auf die MieterInnen umlegen werden.

Im Senat hofft man, dass auch die Hauseigentümer ihre zum Teil maroden Gebäude sanieren. (…) Einige Bewohner fürchten, nach Bekanntwerden der Pläne, aus ihren Wohnungen verdrängt zu werden, weil die Mieten steigen. Neuköllns Baustadtrat Thomas Blesing (SPD) kann das nicht ausschließen. (…) Senatsvertreterin Matthes verspricht einen „sozialgerechten Ablauf des Prozesses“. (auch da)

Keine Worte aber, denen Taten folgen würden: Für eine sozial auch nur halbwegs gerechte Abfederung der Sanierungsfolgen (Umlage der Modernisierungskosten auf die MieterInnen) müsste der Senat ordentlich Geld in die Hand nehmen. Erst eine Sanierungsförderung würde ermöglichen, im Gegenzug sozial verträgliche Mieten festzulegen. Will der Senat aber nicht. Von einem breitspurig angekündigten „sozialen Mietenkonzept“ weit und breit also keine Spur – dieses entpuppt sich nämlich als bloße, leicht abgefederte Abwicklung des alten Sozialen Wohnungsbaus. Eine Dämpfung oder gar Deckelung der allgemeinen Mietentwicklung war von den Senatsparteien wohl von Anfang an nicht damit gemeint gewesen.

Gentrifizierungs-Filme im Graefe-Kiez

Die Miet AG im Graefekiez präsentiert am 13.12. im BABA Berlin, Dieffenbachstr.52 um 16 Uhr:

Gentrifizierung not in our name — Film- und Gesprächsabend zum Thema Gentrifizierung.

1) Vertrieben von Zuhause – Die Yuppisierung eines Quartiers
Das Seefeld ist Symbol für die Veredelung eines Stadtteils in Zürich: Der Quadratmeterpreis steigt, alteingesessene Mieter werden verdrängt, die Bevölkerungsstruktur verändert sich. Karin Bauer porträtiert Mieter, Investoren und Politiker und erzählt die Geschichte der Schönheitsoperation ihrer Heimat. (Reporter, Schweizer Fernsehen ca. 27 Min.)
2) ZDF Aspekte: Hamburger Gängeviertel Not in our name! (Aspekte, ZDF 6.11.09 ca. 7 Min.)
3) Interview mit Rocco Schamoni über Not in our name (Aspekte, ZDF 6.11.09 ca. 6 Min.)

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Samstag wieder Demo gegen Räumungen

Während viele MieterInnen ohne großes Einkommen die angesagten Innenstadt-Kieze verlassen müssen, ohne dass ihre Verdrängung groß in die Öffentlichkeit gelangen würde, hat die Vertreibung rebellischer Hausprojekte schon einen nicht zu verachtenden Nachrichtenwert. Und so resignieren die ersteren all zu oft, während die letzteren alles aus dem Hut zu zaubern versuchen, was das Aktionsrepertoire gerade so bietet. Und das spielt sich meist auf der Straße ab.

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Kreuzberg 36 in der Krise?! – 14.12. im SO36

Steigende Mieten, Verdrängung und die Auswirkungen auf den Kiez

Podiumsdiskussion zur stadtpolitischen Entwicklung in Kreuzberg
14. Dezember, 19 Uhr im SO36, Oranienstraße 190
Einladung der Gruppe Soziale Kämpfe (GSK)

Kreuzberg verändert sich. In den letzten Jahren sind die Mieten so stark gestiegen, dass viele Menschen wegziehen mussten. Leute ohne deutschen Pass oder mit wenig Geld haben es schwer, eine Wohnung zu finden. Schicke Boutiquen und teure Bars haben die Atmosphäre verändert. Wir wollen uns nicht verdrängen lassen. Was können wir tun, wenn die Mieten weiter steigen?

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