Archiv für März 2010

Verdrängung par excellance: Stuyvesant-Town/NYC

Was passieren kann, wenn eine Sozialwohnungssiedlung privatisiert wird, wissen viele Berliner Mieter_innen nur zu gut. Wie es dabei ganz dick kommen kann, haben allerdings die Bewohner der Stuyvesant Town in Manhattan, New York City, erleben dürfen.

Vor vier Jahren war der ganze backsteinerne Stadtteil mit 11.000 Wohnungen und rund 25.000 Einwohnern für 5,4 Milliarden US-Dollar an ein Investorenkonsortium verkauft worden. Wichtige Akteure hierbei waren das Immobilienunternehmen Tishman Speyer und das Finanzunternehmen Blackrock. Blackrock gehört hauptsächlich der Investmentbank Merril Lynch und betreibt auch die „Merrill Lynch International Investment Funds“, die sich zur Zeit rund um den Berliner Hauptbahnhof und die Lehrter Straße in großem Stil einkaufen – aber das ist eine andere Geschichte, die etwas kompliziert ist und hoffentlich auch bald noch erzählt werden wird.

In Manhattan jedenfalls sollte Stuyvesant Town zu einem neuen Viertel der Reichen umgebaut werden – (mehr…)

Samstag Aktionstag in Schöneberg

SCHLUSS MIT DEN VERTREIBUNGEN AUS DEM ZUHAUSE
WIR WOLLEN BLEIBEN!

Das Aktionsbündnis sozialmieter.de lädt ein zum Aktionstag mit einem symbolischen Umzug auf die Strasse
Ostersamstag, 03.04.2010, 13.00 – 16.00 Uhr,
Akazienstraße in Schöneberg

Bringt bitte dafür Eure Kleinmöbel, Umzugskisten, Koffer, Taschen, Koch- und Musikinstrumente mit, eben alles, was ein Mensch für ein schönes Leben auf der Strasse braucht!

Der Aktionstag findet in der Akazienstr. in Schöneberg statt, zwischen Hauptstr. und Belziger Str.
Bus M48, M85, 104, 187 bis Kaiser-Wilhelm-Platz
U7 bis Eisenacher Str./Ausgang Akazienstr.
S1 Julius-Leber-Brücke

Kontakt: www.sozialmieter.de

Sozialbau-Mieter schließen sich zusammen – Aktionstag am 3. April

[Mit Update!] Seit einigen Wochen ist es Thema in der Stadt: Im Rahmen der Einstellung der Förderung des Sozialen Wohnungsbaus ist vor Jahren auch beschlossen worden, die sogenannte Anschlussförderung abzuschaffen. Früher wurde sie regelmäßig in Anspruch genommen (und auch gewährt), nachdem die ersten 15 Jahre der Sozialen Wohnungsbauförderung für ein Objekt abgelaufen waren, und die Anschlussförderung ließ dann nochmals 15 Jahre das Geld für die Eigentümer sprudeln. Mit der Subventionierung wurde die sogenannte Kostenmiete (d.h. die angebliche Höhe der Kosten, die aus Bau, Finanzierung und Betrieb der Gebäude entstanden) auf das übliche Niveau der Sozialmiete gedrückt. Genau dies führte auch dazu, dass die Eigentümer genug Anlass hatten, die Kosten künstlich zu steigern und hochzurechnen – sie bekamen ja all dies vom Land Berlin erstattet (mehr dazu bei Abriss Berlin und im kommenden MieterEcho).

Die Anschlussförderung wurde seit 2003 nicht mehr gewährt, und seitdem steigt die Zahl der Wohnungen, die also aus der Förderung herausfallen, da die Förderzeiträume der ersten Förderphase auslaufen. Bis 2018 wird ihre Zahl auf rund 28.000 Wohnungen steigen. Auslaufen der Förderung heißt nun, dass die Eigentümer die Kosten der Gebäude nun selbst tragen müssen – oder eben auf die Mieter_innen umlegen. Und das dürfen sie: In den vormaligen Sozialwohnungen gilt der Mietspiegel als Mietbegrenzung nämlich nicht. Eigentümer dürfen die vollen Kosten auf die Miete umlegen, und das kann ganz krasse Mieterhöhungen bedeuten. Bis vor kurzem war all dies kein großes Thema, da die meisten Eigentümer ein Interesse daran hatten, die Mieter_innen zu halten. Gerade aber in innerstädtischen Wohnlagen sind Eigentümer nun aber auf den Trichter gekommen, dass sie auch deutlich höhere Mieten realisieren könnten.

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Berlin: Neukölln in den Kollwitzplatz verwandeln?

Radiofeature zu Gentrification in Nord-Neukölln von Avanti – Projekt undogmatische Linke

Der Norden Neuköllns verändert sich rasant. Die Mieten steigen, Kneipen und Cafés eröffnen. Zahlungskräftigeres Publikum zieht her. Damit einher geht auch eine beginnende Verdrängung der bisherigen Bevölkerung. Gentrification, so nennt sich das stadtpolitische Phänomen, das ähnlich und zum Teil weiter fortgeschritten auch in anderen Berliner Bezirken wie Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Kreuzberg beobachte werden kann. Maßnahmen des Berliner Senats wie die Quartiersmanagements und die Ausrufung von Sanierungsgebieten schieben diesen Prozess an und begleiten ihn.

Um auf diese Situation aufmerksam zu machen hat sich die Avanti-Sozial-AG Ende letzten Sommers in Neukölln umgeschaut und ein Radiofeature produziert, das über die aktuelle Situation aufklären und die wichtigen Akteure benennen will. Es wurden u.a. Interviews mit dem Quartiersmanagement Reuterkiez und dem Vorsitzenden von Haus und Grund Neukölln geführt. Wir wollen so noch einmal nachdrücklich auf die Entwicklung nicht nur in Nordneukölln, sondern in Gesamtberlin aufmerksam machen: denn überall innerhalb des S-Bahn-Rings steigen die Mieten. Das Feature sowie das dazugehörige Booklet gibt es hier zum Download: Feature (mp3; 50 MB); Booklet (pdf, 229 KB).

Bei einem Treffen der Kultur AG des Quartiersmanagements Reuterplatz im Sommer 2008 äußerte ein Teilnehmer, er wünsche sich schon ein bisschen mehr Gentrification in Neukölln. Wir sehen das anders. Wir wünschen uns ein bisschen mehr Widerstand!

Gesobau tanzt den Howoge

Es ist schon wieder ein paar Tage her, da kündigte die Gesobau an, in Pankow auf zunächst angekündigte horrende Mieterhöhungen plötzlich wieder zu verzichten. Nicht berichtet wurde, was die Wohnungsbaugesellschaft zum plötzlichen Sinneswandel getrieben hat, denn schlichte Einsicht in soziale Verantwortung dürfte es sicherlich nicht gewesen sein.

Sollte der Fall der Howoge auf- und abgeschreckt haben, wo sich Proteste gegen ebensolche Mieterhöhungen im Rahmen aufwändiger Modernisierungsumlagen ausgeweitet hatten, wo schließlich Verfilzungen ans Tageslicht gekommen waren, die zwei Geschäftsführern des Unternehmens den Job sowie dem Parlamentarier und Bauingenieur Hillenberg die Fraktionszugehörigkeit zur SPD gekostet hatten? Hat die Gesobau vielleicht begründete Angst, bei ihr werde nun auch mal hingeschaut, wie die Geschäfte so betrieben werden? Oder wurde sie einfach nur vom Bezirk zurückgepfiffen und daran erinnert, dass sich die städtischen Wohnungsunternehmen doch mal zumindest an den Mietspiegel halten sollten?