Graefekiez: Aufwertungsbeobachtungen

Bericht vom Kiezspaziergang am 11.4.2010 zur Mietentwicklung im Graefekiez

Bei kalten Temperaturen hatten sich etwa 20 Leute gefunden, um den Graefekiez zu erkunden. Nach kurzer Begrüßung am Startpunkt Admiralbrücke gab es eine Erläuterung zur Struktur des Kiezes: Der Graefekiez hat eine relativ kleinteilige Eigentümerstruktur im Hausbesitz, zwar gibt es Fondsgesellschaften, die mehrere Häuser im Kiez besitzen, jedoch keine Ansammlung im Sinne „die rechte Straßenseite gehört der Gesellschaft yxz“. Mit der „Düttmann Siedlung“, die in diesem Sinne eine Ausnahme im Kiez darstellt, gibt es ein Projekt des ehemaligen sozialen Wohnungsbaus, in dem aber die Belegungsbindung bereits aufgehoben wurde.

Gleich am Startpunkt, am angrenzenden Planufer, hatten wir das erste Mietangebot für ein 2-Zimmerwohnung mit einer Nettokaltmiete für über 9 €/qm ermittelt. Diese überhöhten Mieten zogen sich über den ganzen Kiezspaziergang fort – von der Böckhstraße über die Schönleinstraße bis hin zur Müllenhoffstraße. Die Beobachtung der Mietangebote ergab Kaltmieten von 8 bis 9 €/qm bei 1- und 2-Zimmerwohnungen. Damit lagen diese um 40 bis 90% über dem Mietspiegel.

In der Böckhstraße erreichten uns auch die ersten Klagen über erneut verteuerte Gewerbemieten. Die Verteuerung der Gewerbemieten wird dazu führen, dass kleine Handwerksbetriebe und Geschäfte nicht mehr standhalten können – insbesondere Glasereien, Künstlerbedarf, Fahrradläden und auch die kleinen Bioläden, hier warten wir auf den ersten Supermarkt einer große Bioladenkette.

In der Graefestraße und der Müllenhoffstraße konnten wir dann die Strategien der Immobilienunternehmen und der Hausbesitzer an konkreten Beispielen erleben. So versuchte ein Hauseigentümer in der Graefestraße, die Mieter nach Erwerb des sanierungsbedürftigen Hauses zum Auszug zu bewegen, er ging dafür von Wohnungstür zu Wohnungstür. Im anderen und nicht einzigen Fall im Kiez bot eine Immobiliengesellschaft eine Art Mietmanagement dem Hausbesitzer als Service an – man muss wohl eher „Entmietservice“ sagen, denn dieses Haus ist inzwischen in Eigentumswohnungen umgewandelt worden.

Die Eigentümer der Düttmann Siedlung reagieren inzwischen auf die überteuerte Mietsituation im Kiez, indem sie günstigen Wohnraum auf dem Markt anbieten (bei 5 €/qm Kaltmiete). Nun könnte man sagen, endlich tun sie das, was der ehemalige soziale Wohnungsbau hätte tun müssen, und bieten unterhalb der möglichen Mieten Wohnraum an. Jedoch vermuten wir, es geht hier um die nach der verschwundenen Belegungsbindung lästig gewordene Altmieterschaft. Sie soll aus der Siedlung vertrieben und durch Mieter aus „besseren“ sozialen Schichten ersetzt werden.

Am Ende des Kiezspaziergangs besuchten wir noch ein Haus in der Körtestraße, welches „milieuschutzgerecht“ saniert wird und jetzt nur noch Eigentumswohnungen hat. Hier konnten wir den Gehalt des Milieuschutzes überhaupt nicht mehr erkennen.

Mieten-AG im Graefekiez
Die Mieten-AG trifft sich jeden ersten Montag im Monat um 19:00 Uhr im Kiezbüro in der Dieffenbachstraße 40.


1 Antwort auf „Graefekiez: Aufwertungsbeobachtungen“


  1. 1 stadtnachrichten montag 19. april « from town to town Pingback am 19. April 2010 um 10:55 Uhr
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