Archiv für September 2010

Die Qual der Wahl: Demo oder Film?

Am Donnerstag abend gibt es im Rahmen des Intersquat-Festivals gleich zwei Veranstaltungen gleichzeitig, und beide in Mitte:

Um 19 Uhr startet ein Filmabend im Linienhof, der von den Spreepirat_innen organisiert wird. Sie zeigen den Dokumentarfilm „Boom – The Sound of Eviction“, der die grassierende Gentrifizierung migrantischer Viertel in San Francisco beschreibt. Dabei werden auch die Hintergründe und Zusammenhänge steigender Mieten begreiflich gemacht und – besonders schön – viele Aktionen und Initiativen vorgestellt, die sich gegen den massiven Verdrängungsdruck gestellt haben. Der Film ist nicht auf deutsch übersetzt, sondern komplett auf englisch. Anschließend ist eine Diskussion über die Aktionsideen geplant: Welche lassen sich auf Berlin übertragen? Auf welche hätten wir Lust?

Eine Stunde später, um 20 Uhr, betritt eine Demonstration Neuland: Statt sich aus Anlass des Themas Gentrifizierung in den betroffenen Kiezen herumzutreiben, sollen der Reichtum, die Yuppies und die großen Unternehmen in Mitte besucht werden. „Raus aus´m Kiez – rein in die City“ lautet das angriffslustige Motto. Los geht es am Roten Rathaus, und enden soll die Demo irgendwann am Rosenthaler Platz.

Vielleicht können sich danach ja noch im Café in der Linie206 verschiedene Akteur_innen wieder treffen und die strategische Debatte gemeinsam fortsetzen… (Dort soll übrigens auch der Film laufen, wenn das Wetter genügend mies ist und die Feuertonne nicht zum draußen Durchhalten reichen sollte.)

Es gibt den Film in schlechterer Qualität bei Youtube zu sehen.

Samstag Reiche-Straßenfest mit Kiezführung

Das Reichenberger Straßenfest (11.9. ab 15 Uhr zwischen Lausitzer und Ohlauer Straße) steht wie letztes Jahr auch diesmal ein gutes Stück unter der Frage, was passiert im Kiez? Steigende Mieten und Aufwertungsprojekte sind Thema im Kiez, aber oft werden sie nur einzeln für sich betrachtet. Deshalb machen wir wieder eine Kiezführung während des Straßenfests (wie letztes Jahr), um die vielen verschiedenen Entwicklungen in einem Zusammenhang zu betrachten und auch den Blick für Dinge zu schärfen, die wie Kleinigkeiten erscheinen, aber Anzeichen eine größeren Veränderung sein können.

Treffpunkt für die Kiezführung:
17 Uhr vor der Meuterei, Reichenberger Straße 58

Berlin im Herbst: Massig was los

Klar, das Sommerloch dürfte langsam vorbei sein, und siehe: Der Terminkalender hier auf dem Mietenstopp-Blog läuft geradezu über. Als ob sich alle im Sommer nur deshalb zurückgezogen hätten, um die nächsten Aktionen und Veranstaltungen für den Herbst zu planen.

Jetzt geht es jedenfalls los: Kiezveranstaltungen, späte Straßenfeste, Baugruppendebatte, bedrohte Haus- und Hofprojekte, Berliner Wohnungspolitik, Intersquat Festival, Mediaspree versenken, ‚Berlin on sale‘-Tage und vieles mehr…

Schaut öfter mal in die Termin-Spalte rein – wir haben gerade das Gefühl, es kommen geradezu täglich neue dazu.

Partei ergreifen im Kunger-Kiez

Am Dienstag (7.9.) veranstaltet die KungerKiezInitiative eine öffentliche Diskussionsveranstaltung zum Thema steigener Mieten. Einerseits wird es eine einleitende Stellungnahme der Berliner Mietergemeinschaft geben, andererseits werden Parteienvertreter von SPD, Grüne, Linkspartei und CDU sich zu dem Thema erklären. Die Moderation der Veranstaltung macht Karin Baumert, frühere parteilose Baustadträtin von Mitte und nun u.a. im Mietenstopp-Bündnis aktiv.

Nun, ehrlich gesagt hoffen wir, dass es für die Profipolitiker kein leichtes Spiel wird, sich aus der jetzigen wohnungspolitischen Misere herauszureden. Es wird Aufgabe des Publikums sein, sie in Erklärungsnot zu bringen und schon einmal erkennen zu lassen, dass der Druck steigt und eine grundsätzliche Wende in der Wohnungspolitik mit Nachdruck eingefordert wird.

Wir sind gespannt.

Einladung zur Podiumsdiskussion am 7. September:

Mietsteigerung – und kein Ende in Sicht

Liebe Nachbarinnen und Nachbarn, Freundinnen und Freunde des Kunger-Kiezes,

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Kritik an der Kritik der Gentrifizierung (und die Kritik an dieser wiederum)

Ungefähr so lange, wie es hierzulande eine Beschäftigung mit dem Phänomen der Aufwertung städtischer Räume und mit den damit verknüpften Folgen der steigenden Mieten und der selektiven Verdrängung von einkommensschwachen Anwohner_innen gibt, ungefähr so lange gibt es auch immer wieder die Kritik an der Kritik der Gentrifizierung. In einem ausführlichen Radiofeature widmet sich Radio Corax aus Halle diesem Thema und lässt verschiedene politische Akteure dabei zu Wort kommen.

Die Kritik der Gentrifizierungskritik kritisiert dann in der Regel, aufwertungskritische stadtpolitische Initiativen wären lediglich an der Wahrung des Bestands interessiert. Sie würden den kapitalistischen Alltag der Stadt, so auch das ganz normale Mietverhältnis zwischen Besitzenden und nicht-besitzenden Erwerbsabhängigen, nicht in Frage stellen, nur die stete Verschlimmerung des Verhältnisses bemängeln, nicht aber die Zustände selbst.

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