Kiezspatz kommt ins Schwärmen

Letzten Sonntag war der erste der drei Kiezspaziergänge, die das Problem der Aufwertung und der Verdrängung einkommensschwacher Mieter_innen thematisieren. Im Karl-Kunger-Kiez wurden sechs Stationen der Aufwertung besucht, vom geschlossenen Jugendzentrum über ein 3000€/m²-Neubauprojekt, den Verlust von Kleingärten für den Bau der geplanten Stadtautobahn A100, neue Baugruppenprojekte für die wohlbetuchte Bionade-Bourgeoisie bis hin zu waschechten Luxuslofts, die aus alten Gewerbehöfen gezimmert werden.

Sehr erfreulich war, dass dem gemeinsamen Spaziergang 80 bis 100 interessierte Leute folgten – weit mehr als bei früheren Veranstaltungen im Kiez. Im Anschluss wurde dann noch bekannt, dass in der Krüllstraße ein brachliegender Werkstatthof offen sei und dass es dort Kaffe, Kuchen und einen improvisierten Umsonstladen gäbe. Also kamen tatsächlich nahezu alle mit, strömten auf den Hof und diskutierten dort das Problem der Aufwertung weiter – und was mensch alles mit so einem schönen Hof anstellen könnte. Ideen wurden zu Papier gebracht und an die Wand geklebt, darunter: Stadtteilzentrum, neues Jugendzentrum, Umsonstladen, Miethaie-zu-Fischstäbchen-Fabrik, günstigen Wohnraum, Proberäume für Musik, Freiräume für Kunst oder auch einfach eine Nachfolgefläche für den schließunsgbedrohten Inselmarkt in der Karl-Kunger-Straße.

Bei der Initiative Karla Pappel gibt es einen ausführlichen Bericht zum Kiezspaziergang, auch das Neue Deutschland hat einen Artikel dazu veröffentlicht, und bei Indymedia sind unter den Kommentaren auch zahlreiche Fotos zu finden.

Am Freitag abend gibt es eine Kiezversammlung, um sich gemeinsam Gedanken für ein Stadtteilzentrum in Alt-Treptow Gedanken zu machen: 22. Ok­to­ber 18:00 Uhr im Loes­je, Karl-​Kun­ger-​Stra­ße 55.
Und am Sonntag kommt der nächste Kiezspaziergang, diesmal im Neuköllner Schillerkiez: 24. Oktober 14:00 Uhr vor der Lunte, Weisestraße 53.