Fette-Mieten-Party in Kreuzberg – dem „Schönen Leben“ auf die Pelle gerückt

Diesen Wohnungsbesichtigungstermin hatte sich der Makler von der Berliner „SchönLife Immobilien“ vermutlich etwas anders vorgestellt. Voller jungdynamischer, kreativer Wohnungssuchender vielleicht, denen man das gute Benehmen und den vollen Kontostand schon am Erscheinungsbild ablesen kann, und die interessiert und vorbehaltlos zuhören würden, während er ihnen die Vorzüge dieses Filetstücks von Wohnung schmackhaft machen würde: repräsentativ und zugleich mitten im Kreuzberger Kiez gelegen, nur wenige hundert Meter vom nächsten Carloft entfernt, frisch saniert mit groß geschnittenen Zimmern und hochmoderner Einbauküche. Die Bewerbungs- und Selbstauskunftsbögen würden die Teilnehmer_innen schon detailgetreu ausgefüllt dabei haben, neben den üblichen Informationen zu den verschiedenen Einkünften auch den Grund für den gewünschten Wohnungswechsel bereitwillig genannt und die eventuell (hoffentlich nicht!) bestehenden Pfändungen und Ratenzahlungsverträge sorgfältig aufgelistet haben – dem Dokument beigefügt selbstverständlich die Schufaauskunft und die Mietschuldenfreiheitsbestätigung des Vermieters. Und am selben Abend würde vielleicht schon das befriedigende Gefühl auf ihn warten, eine 85qm Zweizimmerwohnung zu beachtlichen 849 € Kaltmiete unter die Leute gebracht, eine bescheidene Provision abgestaubt und seinen eigenen kleinen Beitrag dazu geleistet zu haben, dass der Mietenspiegel auch weiterhin kontinuierlich steigen und dem ganzen Immobiliengewerbe ein florierendes Geschäft besorgen wird…

Aber als der Strom an Menschen, die da die Treppe hinauf kamen und nacheinander in die Wohnung drangen, nicht mehr abreißen wollte und diese sich plötzlich bunte Masken aufsetzten, war es vorbei mit der Partystimmung – bei dem Makler. Die ungebetenen Gäste hingegen drehten laute Musik auf („Our House“ von Madness), ließen die Sektkorken knallen und Konfetti durch die Luft fliegen: Eine Fette Mieten Party war angesagt!

Denn die Praktiken der Immobilienunternehmen, die mittlerweile wie selbstverständlich wirken, wollen wir uns nicht mehr länger gefallen lassen. Über das Privatleben muss man sich ausquetschen lassen wie eine reife Zitrone. Wer keinen deutschen Namen hat und nicht ins Muster passt, muss sich oft erklären oder wird gar nicht erst zur Besichtigung eingeladen. Gegen rasstistische Vorurteile gibt es für die Betroffenen kaum eine Handhabe.

Und wenn die Wohnung dann erfolgreich vermietet wird, fängt die Scheiße erst richtig an. Eigentümer_innen und Spekulant_innen nutzen die Beliebtheit der Kieze, um die Mietpreise hochzutreiben. Gerade bei Neuvermietungen wie hier wird richtig draufgeschlagen und das Äußerste herausgeholt. Dadurch steigt der Berliner Mietspiegel an, womit alle Mieten, auch die bestehender Mietverträge, wieder kräftig erhöht werden können. Dieser Kreislauf führt zu gesalzenen Preisen auf dem Wohnungsmarkt – und zwar nicht nur im Yuppie-Segment. Bisherige Bewohner_innen können sich das dann nicht mehr leisten und werden verdrängt – ganz im Interesse der Unternehmen, die bei der nächsten Neuvermietung wieder auf zahlungskräftige Neukunden hoffen können…

Doch da spielen wir nicht mit und lassen die Korken bei der Wohnungsbesichtigung knallen! Am Samstag – und vielleicht bald wieder.
Wir feiern die Mieten runter bis der Wohnraum vergesellschaftet ist… denn nur so kann der Kreislauf gestoppt werden!


2 Antworten auf „Fette-Mieten-Party in Kreuzberg – dem „Schönen Leben“ auf die Pelle gerückt“


  1. 1 Fette-Mieten-Party « Berliner Wohnungsbesichtigungs-Rallyes Pingback am 11. April 2011 um 13:53 Uhr
  2. 2 Stadtpolitische VV in Xberg zur Planung einer [(Anti-?)] Mieten-Demo im Herbst « Politischer Salon im Vetomat Fhain Berlin Pingback am 16. April 2011 um 18:34 Uhr
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