Mietspiegel unter der Lupe

Der neue Berliner Mietspiegel dokumentiert, dass die Mieten innerhalb von 23 Monaten durchschnittlich um 8% bzw. um 38ct./m² gestiegen sind. Doch die Mietsteigerungen verteilen sich sehr unterschiedlich auf den Wohnungsbestand. Eine Erfassung nach Stadtteilen gibt es im Berliner Mietspiegel nicht. Doch auch im statistischen Schema des Mietspiegels streut die Entwicklung sehr weit, so dass es in vielen Mietspiegelfeldern bereits extreme Mietsteigerungen gibt.

Zum Verständnis der folgenden Zahlen und Tabellen ist es sinnvoll, den neuen Mietspiegel (z.B. hier als PDF-Dokument) daneben zu halten, da wir aus Platzgründen die Beschriftungen der Mietspiegeltabelle weggelassen haben und zur Orientierung nur noch das Buchstaben-Zahlen-Raster bleibt.

Mietpreissteigerung 2009-2011 pro Mietspiegelfeld,
in Euro/m² pro Monat


Besonders auffällig: Die extremen Mietsteigerungen im Altbaubestand, bei großen Wohnungen in guter Wohnlage sowie bei großen Nachwende-Neubauwohnungen. Wer kann schon Mietsteigerungen von mehr als einem Euro/m² innerhalb von zwei Jahren verkraften? Zu einem Großteil wird es sich hier um Mieten handeln, die wegen Modernisierung und/oder wegen Neuvermietung drastisch angehoben worden sind. Der Schwerpunkt im Bereich Altbau lässt tendenziell auf die innerstädtischen Lagen schließen.

Prozentuale Mietpreissteigerung 2009-2011 pro Mietspiegelfeld

Für die Frage, wie sich die Mietsteigerung auf den Geldbeutel auswirkt ist ein Blick auf die prozentuale Entwicklung anzuraten. Denn wer sich bereits 7 Euro/m² nettokalt leisten kann, für die/den ist eine Erhöhung um einen Euro eine ganz andere Sache als für Mieter_innen, die bisher 3,50 Euro/m² gezahlt haben. Hier fällt ins Auge, dass die extremen Werte besonders die Halbstandard-Wohnungen im Altbau betreffen (diejenigen ohne Sammelheizung bzw. ohne Bad) und auch im Bereich der Wohnungen aus den 50er und 60er Jahren relativ hohe Werte zu verzeichnen sind. Dies sind genau die Wohnungen, die bislang noch ein Repertoire an recht günstigen Mieten auf dem Wohnungsmarkt dargestellt ahben. Wenn in genau diesem Bereich die Mieten deutlich anstiegen, dass zeigt dies den überdurchschnittlichen Mangel an günstigen Wohnungen für Mieter_innen mit geringen Einkommen.

Von den Armen nehmen, den Reichen geben

Da aber gerade in diesem Wohnungsmarktsegment überhaupt nicht neu gebaut wird, ist klar, wohin die Reise geht: Auch in den nächsten Jahren werden wir hier hohe Steigerungen zu verzeichnen haben, und viele Mieter_innen mit schmalem Geldbeutel werden immer weiter unter Druck geraten. Hier zeigt sich, dass diejenigen, die ohnehin auf der Verlierer_innenseite der gesellschaftlichen Polarisierung zwischen Arm und Reich stehen, noch zusätzlich durch die neoliberale Wohnungspolitik betroffen sind und ausgebeutet werden.