Die-alles-mitmachen: Schafe bei der Arbeit

Am Donnerstag abend verabschiedeten die Regierungsparteien der Berliner rot-roten Koalition das neue Wohnraumgesetz zur vollständigen Abwicklung des Sozialen Wohnungsbaus. Nach heftiger Kritik der beiden großen Berliner Mietervereine, der Initiative „Sozialmieter“, des „Berliner Wissenschaftsbundes“ und auch von Steigende Mieten Stoppen! hatten die Medien kurz vor Torschluss noch von einem möglichen Scheitern des Gesetzes berichtet.

Aus der Fraktion der Linkspartei im Abgeordnetenhaus hatten ein paar Schafe mit dem Gedanken gespielt, sich möglicherweise, also ganz eventuell, einen Wolfspelz umzulegen. Bereits dieses Gerücht einer potenziell mangelnden Gefolgsamkeit hatte im Blätterwald eingeschlagen wie eine Sensation. Sind Berliner/innen es doch seit einem Jahrzehnt gewohnt, dass die rot-roten Abgeordneten alles mittragen, was ihr Führungspersonal so verzapft, unabhängig davon, welch garvierende soziale Folgen es auch haben mag. Gerade in der „Linksfraktion“ ist der fortwährende Beweis der Koalitionstreue zu einem Fetisch geworden, der weit über allen politischen Inhalten steht.

Nun spricht die Abendschau davon, dass man sich die Frage stelle, wem das neue Gesetz denn nun nütze, ob nicht vielmehr den Hausbesitzern als den betroffenen Mieter/innen? Der nicht gerade für Sozialpolitik stehende Tagesspiegel titelte gestern bereits: „Rot-Rot vertagt den Kampf gegen steigende Mieten“, und meinte damit, dass bis zu den Abgeordnetenhauswahlen im September nichts Relevantes mehr zu erwarten sei.

Der rot-rote Senat macht also dort weiter, wo er in den letzten 10 Jahren stets zu finden war: Bei der Arbeit an einer neuen Berliner Wohnungsnot und einem Wohnungsmarkt, der allen Hausbesitzern große Freude bereitet. Die Linkspartei kündigt weiter an, was sie seit Jahren nun ankündigt, dass, wenn man sie denn nochmals wähle, sie endlich damit beginnen würden, für eine sozialere Wohnungspolitik einzutreten.

Ah ja. Sehr glaubhaft. Und wer den Laden kennt, weiß längst, dass die zukünftige Stadtentwicklungssenatorin nur weiter so ihren Weg der Ignoranz gegenüber Mieter/innen-Interessen fahren muss, dann wird die „Linksfraktion“ auch weiter alles mittragen, nur um dabei sein zu dürfen und die eigenen Pöstchen zu sichern. Der Wolfspelz wird alle paar Jahre Gerüchten zufolge eventuell mal herausgeholt und abgestaubt, um ihn dann sogleich, gebannt vor Schreck vor der eigenen potenziellen Courage, wieder sicher und sauber wegzupacken.


1 Antwort auf „Die-alles-mitmachen: Schafe bei der Arbeit“


  1. 1 mojala778 27. Juni 2011 um 10:26 Uhr

    Seh ich genauso…

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