13.8. Wilhelmstr. 7: Hoffest gegen steigende Mieten und Verdrängung am Mehringplatz

Vor nicht allzulanger Zeit forderte das Jobcenter alle Hartz4-Bezieher_innen rund um den Mehringplatz auf, ihre Mietkosten zu senken. Einige, denen die Bevölkerungsstruktur dort nicht passt – erklärtermaßen etwa das Quartiersmanagement – schienen es durchaus zu begrüßen, wenn Menschen „mit geringer Kaufkraft“ wegziehen müssen, weil sie die Mieten nicht mehr zahlen können. Über 50% der Anwohner_innen des Mehringplatzes beziehen Transferleistungen, wie Rente, Hartz4, Grundsicherung.

Die Menschen am Mehringplatz reagierten ganz anders als von den Kiezstrategen erwartet: niemand zog um. Alle blieben, rückten allerdings immer enger zusammen. Nicht selten finden sich nun bis zu 8 Menschen in 3-Zimmer-Wohnungen, weil sie nur so die überteuerten Mieten für ihre rotten Wohnungen zusammenbekommen, weil sie nur so die horrenden Heizkosten für ihre zugigen Buden, die seit Ewigkeiten nicht mehr instandgesetz wurden, aufbringen können. Die Mieten aber steigen weiter.

Mittlerweile sucht die Wohnungsbaufirma GEWOBAG die Hartz4-Bezieher_innen dadurch loszuwerden, dass sie leerstehende Wohnungen 6 Monate lang für sogenannte „Selbstzahler“ (Leute mit eigenem Einkommen ohne Zuschuss vom Amt) reserviert. Gleichzeitig versucht das Quartiersmanagement den Kiez mittels Kunstprojekten aufzuhübschen, um ihn für andere Bevölkerungsschichten attraktiv zu machen. Um keine Unmutsäußerungen über die engen Wohnverhältnisse unter den Jugendlichen auf dem Platz aufkommen zu lassen, wird über unterschiedliche Maßnahmen versucht, die Jugendlichen aus der Fußgängerzone fernzuhalten. Genauso wird versucht die allabendlichen Saufgelage auf dem Platz zu verhindern oder sie auf andere Orte umzulenken. Dass der Unmut gegen die Verhältnisse auf dem Mehringplatz sich nicht auf ganz andere Weise entlädt, dafür hat der GEWOBAG-eigene Wachschutz zu sorgen, und das natürlich in ‚vertrauensvoller Zusammenarbeit‘ mit der Polizei.

Das alles sind nur einige Probleme, über die wir uns gerne mit allen am Platz Lebenden austauschen wollen. Auch deshalb veranstalten wir am 13. August ein Hoffest in der Wilhelmstraße 7.

Die Wilhelmstraße 7 hat nur scheinbar ganz andere Probleme. 1993 mit 22 weiteren Häusern vom Bezirksamt Kreuzberg an die damals noch senatseigene GSW verschenkt, hätte sie eigentlich, wie auch die anderen verschenkten Häuser, mieter_innenfreundlich instandgesetzt werden sollen. Nichts aber geschah diesbezüglich. Stattdessen wurde das Haus, wie viele andere der 23 Häuser, systematisch entmietet und obendrein vor kurzem vertragswidrig verkauft. Der neue Eigentümer will nun auch noch die letzten Bewohner_innen loswerden, um das Haus nach einer Luxusmodernisierung teuer weiterzuverkaufen. Zwei Drittel der Wohnungen im Hauskomplex Wilhelmstraße 7 stehen leer und um den Mehringplatz herum sind die Wohnungen massiv überbelegt.

Über all diese Schweinereien lasst uns am Samstag den 13. August ab 15 Uhr bei unserem Hoffest in der Wilhelmstraße 7 sprechen.Lasst uns gemeinsam überlegen, wie wir uns zusammen dagegen wehren können. Wir müssen viel mehr voneinander mitbekommen. Das ist die allererste Voraussetzung um uns gegen steigende Mieten und Verdrängung zur Wehr zu setzen.

Für Getränke ist gesorgt. Ein Grill wird angeschmissen. Bringt also mit, was ihr drauflegen wollt.

Mieter_innen der 23 an die GSW verschenkten Häuser

Einladung als PDF | PDF auf türkisch


1 Antwort auf „13.8. Wilhelmstr. 7: Hoffest gegen steigende Mieten und Verdrängung am Mehringplatz“


  1. 1 Golden State Warriors 18. September 2011 um 2:57 Uhr

    Hier die Liste der 23 in Kreuzberg an die GSW übertragenen Häuser:
    Bevernstr. 2
    Bevernstr. 3
    Enckestr. 4-4a
    Friedrichstr. 17
    Friedrichstr. 44
    Gitschiner Str. 85 / Lobeckstr. 82
    Gitschiner Str. 86
    Köpenicker Str. 183
    Köpenicker Str. 183a
    Köpenicker Str. 185
    Köpenicker Str. 189
    Markgrafenstr. 85
    Markgrafenstr. 86
    Markgrafenstr. 87
    Manteuffelstr. 7
    Manteuffelstr. 70
    Schlesische Str. 25
    Skalitzer Str. 44
    Skalitzer Str. 136
    Skalitzer Str. 137
    Stresemannstr. 32
    Wiener Str. 13
    Wilhelmstr. 7

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