Graefekiez / Taekker: Mieterverdrängung nach Finanzmarktkrise

Pressemitteilung der Mieten AG im Graefekiez

  1. Finanzmarktkrise und Immobilienspekulation führen im Graefekiez zu der Verdrängung von Mietern.
  2. Aufruf zur Teilnahme an der Kundgebung im Graefekiez am 2.9. um 17 Uhr in der Böckh- Ecke Graefestraße und der Teilnahme an der Mietenstopp-Demonstration am 3.9. 14 Uhr ab Hermannplatz

Für den 2. September um 17:00 h ruft die Mieten AG im Graefekiez zur Kundgebung an der Graefestraße 11 Ecke Böckhstraße 13 auf.

Das Haus gehört der dänischen Immobiliengesellschaft Taekker. Der Hauseigner Jörn Taekker will das Haus mit Hilfe der Bank- und Immobilienconsulting GmbH Ziegert in Eigentumswohnungen verkaufen.

Die Entmietungsspezialisten der Fa. Ziegert sind nicht unbekannt. In der Barbarossastraße 59 hatten sie für die Fa. Hochtief gearbeitet, in der Dieffenbachstraße 58a und in der Müllenhoffstraße 14 waren bzw. sind sie noch zugange und jetzt wickeln sie die Geschäfte der Fa. Taekker in der Graefestraße 11 / Böckhstraße 13 ab.

Die 29 Wohnungen des Eckhauses Graefe-/Böckhstraße werden zum Preis von 2.‍800,- Euro bis 3.300 Euro pro Quadratmeter angeboten.

Berliner Wohnungsmarkt in den Fängen der Finanzmarktkrise

Wie viele andere Firmen geriet auch Taekker, die bereits 2008 in Berlin 200 Liegenschaften mit 3.800 Wohneinheiten besaß, in den Sog der Finanzmarktkrise. Die Pleite der dänischen Roskildebank riss die Taekker-Gruppe an den Rand des Abgrunds. Ein Konkurs ließ sich nur über ein gerichtliches Schuldenmoratorium abwenden, in das auch der Berliner Immobilienbesitz einbezogen war.

Durch den Verkauf von Häusern scheint die dänische Tochter die Zahlungsfähigkeit des Mutterkonzerns wieder herstellen zu wollen. Denn die Muttergesellschaft Taekker Europa APS verzeichnet ein Sinken der Eigenkapitalqoute von 23 % im Jahre 2008 auf minus 73 % im Jahr 2010. Allein der Wert der Berliner Immobilientochter wird auf 260 Millionen geschätzt. Der Veröffentlichung einer vertraulichen Schuldnerliste durch Wikileaks ist zu entnehmen, dass die Taekker Europa APS Kunde der isländischen Kaupthing Bank war, ihre Anlage war als spekulativ eingestuft. Die Schulden der Kaupthing Bank betrugen das Zehnfache der isländischen Wirtschaftsleistung und trieben die Insel in den Ruin.

Finanzmarktkrise beschleunigt Verdrängung von Mietern aus Kreuzberg

„Da Taekker hier im Kiez und in Kreuzberg einer der größten Eigentümer ist, könnte der Verkauf von Wohneigentum als Lösung der eigenen Finanzprobleme eine erhebliche Veränderung der Bewohnerstruktur bewirken“, so Martin Breger von der Mieten AG im Graefekiez. „Taekker bietet im Chamissokiez bereits weitere Eigentumswohnungen an“.

Wenn Jörn Taekker sein Anlagevermögen optimal versilbern will, um so seinen Firmen in Aarhus wieder auf die Beine zu helfen, droht in Kreuzberg die nächste Umwandlungswelle von Miet- in Eigentumswohnungen und damit auch eine Beschleunigung der sozialen Verdrängung. Im Graefekiez läuft der Prozess auf Hochtouren. Die Mieten AG im Graefekiez fordert den Erhalt der sozialen Mischung des Kiezes durch „Bereitstellung von Wohnraum in kommunaler Hand.“ Wobei öffentliche Wohnungsbaugesellschaften nicht die Finanzierung des Haushaltsdefizits des Landes Berlin im Auge haben dürfen, sondern sie müssen bezahlbaren Wohnraum schaffen „Keine Umgehung des Milieuschutzes durch Rauskaufen der MieterInnen, stattdessen kommunale Belegungsrechte für entmietete Häuser in Milieuschutzgebieten.“

„Durchsetzung von kommunalen Belegungsrechten bei Modernisierung und Neubau“ fordert Martin Breger von der Mieten Ag im Graefekiez. „Wir brauchen dringend eine Rechtsverordnung des Senats, damit Umwandlungen in Eigentumswohnungen genehmigungspflichtig werden“, fordert Pascal Meiser, Sprecher der Linkspartei in Kreuzberg. „Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer lehnt dies leider seit Jahren ab.“

Die Kundgebung am 2. September wird von der Mieten AG im Graefekiez gemeinsam mit der AG Mieten der Partei DIE LINKE Friedrichshain-Kreuzberg veranstaltet.
Einladung der Mieten AG im Graefekiez zur Kundgebung als PDF-Dokument

Für weitere Informationen stehen Martin Breger Tel: 030-600 534 28 und Ulrike Haase 0176-219 54 764 zur Verfügung.

mieten-ag(ät)graefe-kiez.de

Die AG-Mieten trifft sich wieder am:
Jeden ersten Montag im Monat um 19 Uhr in der Weltküche Graefestraße18.

Aktuelles auch auf dem Forum\Mieten der Webseite:
www.graefe-kiez.de


2 Antworten auf „Graefekiez / Taekker: Mieterverdrängung nach Finanzmarktkrise“


  1. 1 Gunter Bauer 22. September 2011 um 15:31 Uhr

    Bitte unsere Website zu dem Thema „Mieterverdrängung durch Gentrifizierung durch Taekker“ als betroffenes erstes Taekker-Haus hier auch veröffentlichen!
    Wir wehren uns mit allen Mitteln gegen diese Form des Ausverkaufs – aus einer lebenslangen Mietperspektive wird eine solche auf Frist: 7 Jahre nach Verkauf kann den Mietern wegen Eigenbedarfs vom Erwerber gekündigt werden, dann noch 1 Jahr Kündigungsfrist und man darf sich auf einem rasant explodierenden Mietwohnungsmarkt etwas Neues suchen! Oder man kauft die Wohnungen zu aktuellen Spekulationspreisen von 2.500 Euro – vermietet – oder über 3000 Euro pro Quadratmeter – bezugsfertig! Die meisten von uns können da nicht mithalten.
    Daher werben wir um Unterstützung über unsere Banner am Haus und über die dort genannte Website. Leider hat uns nun der Eigentümer durch Abmahnungen gezwungen, die Banner vorläufig wieder abzunehmen. Dem werden wir versuchen zu entgegnen durch eine Fesstellungsklage auf freie Meinungsäußerung auch an unseren Balkonen und Fenstern.

  2. 2 birgit peretz 14. Mai 2012 um 9:43 Uhr

    bitte informieren sie mich
    danke

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