Archiv für Oktober 2011

Mach meine Ini nicht an!

An der Mietenfrage hängen große Begehrlichkeiten, denn einerseits lassen sich durch steigende Mieten allein in Berlin Milliarden verdienen, andererseits trifft das kritische Thematisieren von Aufwertung und Verdrängung mitten hinein in die große soziale Frage: Investoren- und Mittelschichtinteressen sind es, die die Berliner Stadtentwicklung bestimmen, und die wachsende Kluft zwischen Reich und Arm trennt die Nutznießer von den Betroffenen.

Kein Wunder also, dass es nicht ohne Folgen bleibt, wenn Initiativen Ross und Reiter dieser Stadtpolitik benennen. Wer den Zeigefinder auf Profiteure und Akteure richtet, und wer es wagt, gegen mietpreistreibende Neubauprojekte Stimmung zu machen, gar den einen oder anderen Investoren und die Klientel schicker Eigentumswohnungen verunsichert, ist eine Gefahr für das von Senat und Bezirken vorangetriebe Projekt, die Berliner Innenstadtbezirke den Reichen und Schönen vorzubehalten.

Wie Lokalpolitiker der Treptower SPD auf die Aktivitäten der Stadtteilinitiave Karla Pappel reagierten, schildert ein aktueller Beitrag der Redaktion MieterEcho. (mehr…)

„Wer hier kauft, kauft Ärger“

…steht auf einem Transparent, das im 2. Hinterhof der Reichenberger Straße 114 an der Hauswand hängt. Leider gelang es den neuen Hausbesitzern (Akershus GmbH) bzw. deren Vertretern am Dienstag dieser Woche nicht, sich davon zu überzeugen. Sie kamen nur bis in den 1. Hof. Von dort sahen sie dann eine Menge von 50 bis 60 Menschen im 2. Hinterhof stehen, die extra zur Begrüßung der neuen Eigentümer erschienen waren und es sich bei Kaffee, Kuchen und Musik gut gehen ließen.

Überwältigt von der großen Anteilnahme der Kiezbewohner_innen machten die Vertreter der neuen Hausbesitzer auf dem Absatz kehrt und brachen die angekündigte Besichtigung zweier Wohnungen ab. Als die Vertreter der Besitzer, unter anderem von der Hausverwaltung Format, von dem Anwalt der Bewohner_innen angesprochen wurden, ob sie zur Besichtigung kämen, verneinten sie – ihnen schien tatsächlich der Schrecken im Nacken zu sitzen.

Nachricht gefunden auf dem Blog der Initiative „Café Reiche“ aus dem Reichenberger Kiez.

Jedes dritte Touristenbett steht in einer Ferienwohnung

Die Berliner MieterGemeinschaft hat in den letzten Monaten darum gebeten, über Ferienwohnungen in der Nachbarschaft Auskunft zu geben. Diese Umfrage bildet jedoch nur ein Standbein der wohl umfangreichsten Studie über Ferienwohnungen in Berlin. Denn ebenfalls wurden zahlreiche Internet-Portale ausgewertet, um die Gesamtzahl und Verteilung von Ferienwohnungen in Berlin zu ermitteln.

Rund 12.000 Wohnungen sollen es demnach sein, die bisher für den Mietwohnungsmarkt verloren gegangen sind und nur noch für Touristen vermietet werden – Tendenz steigend. Da sich durchschnittlich etwa 4 Betten in einer Ferienwohnung befinden, ergibt sich eine Gesamtzahl von annähernd 50.000 Ferienwohnungs-Betten. Vergleicht man dies mit der Anzahl von Hotelbetten (112.‍000) in der Stadt, so wird deutlich: Ferienwohnungen sind ein bedeutender Faktor in der Tourismuswirtschaft Berlins.

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Protest-Szenen aus dem „Lange Nacht“-Bus

Uns erreichte ein Bericht aus dem Inneren der Besichtigungstour der Langen Nacht der Wohnungsbesichtigungen:

Ich war im zweiten Bus in Richtung Kreuzberg. Es wurde gleich bei der Abfahrt angesagt, dass der Bus in der Schlesischen Straße nicht hält, und dass überhaupt nur Kaufwohnungen anzusehen seien.
Der Bus war nur mit vielleicht 20 Personen besetzt, und es wurde anhand einiger Albereien untereinander schnell klar, dass (fast?) alle „von uns“ waren. Als der Bus durch die Schlesische Straße fuhr, sagte der Busfahrer zu der Dame von Immoscout, „ins Wohngebiet fahre ich nicht mehr, da haben mir schon die Eier beim ersten Mal gereicht“. Also fuhr er geradeaus nach Treptow, wendete und fuhr zurück. Noch in der Schlesischen Straße stiegen zwei ReporterInnen vom Tagesspiegel und von Radio 1 zu. Am Schlesischen Tor bekam der Bus ein Ei ab, worauf der Tagesspiegel-Reporter begann uns zu interviewen: „Wie finden Sie denn das, dass sie hier mit Eiern beworfen werden?“. Zwei von uns sagten, „gut“, dann der Reporter, „ah ja, und Sie anderen finden das dann wahrscheinlich auch gut? Können mal alle den Arm heben, die es nicht gut finden?“ Kein Arm ging hoch, die Immoscout-Leute schauten betreten weg. Party-Stimmung, wie angekündigt, bloß anders.
Allmählich wurden wir aber doch ungeduldig, wollten wir doch nun endlich unsere zukünftige Eigentumswohnung ansehen. Der Bus fuhr zur Glogauer Straße, es hieß, dort sei eine Wohnung zu besichtigen. In der Glogauer angekommen, wollten die Herrschaften dort aber partout nicht anhalten, sondern weiter zu einer anderen Wohnung fahren. Offenbar waren die Veranstalter komplett überfordert von unserer guten Laune.

Stadtvernetzt-Treffen

Das nächste Stadtvernetzt-Treffen der Kiezinitiativen ist am
Sonntag, den 23. Oktober
um 14 Uhr in der New Yorck im Bethanien-Südflügel
Mariannenplatz 2a, Kreuzberg