Protest-Szenen aus dem „Lange Nacht“-Bus

Uns erreichte ein Bericht aus dem Inneren der Besichtigungstour der Langen Nacht der Wohnungsbesichtigungen:

Ich war im zweiten Bus in Richtung Kreuzberg. Es wurde gleich bei der Abfahrt angesagt, dass der Bus in der Schlesischen Straße nicht hält, und dass überhaupt nur Kaufwohnungen anzusehen seien.
Der Bus war nur mit vielleicht 20 Personen besetzt, und es wurde anhand einiger Albereien untereinander schnell klar, dass (fast?) alle „von uns“ waren. Als der Bus durch die Schlesische Straße fuhr, sagte der Busfahrer zu der Dame von Immoscout, „ins Wohngebiet fahre ich nicht mehr, da haben mir schon die Eier beim ersten Mal gereicht“. Also fuhr er geradeaus nach Treptow, wendete und fuhr zurück. Noch in der Schlesischen Straße stiegen zwei ReporterInnen vom Tagesspiegel und von Radio 1 zu. Am Schlesischen Tor bekam der Bus ein Ei ab, worauf der Tagesspiegel-Reporter begann uns zu interviewen: „Wie finden Sie denn das, dass sie hier mit Eiern beworfen werden?“. Zwei von uns sagten, „gut“, dann der Reporter, „ah ja, und Sie anderen finden das dann wahrscheinlich auch gut? Können mal alle den Arm heben, die es nicht gut finden?“ Kein Arm ging hoch, die Immoscout-Leute schauten betreten weg. Party-Stimmung, wie angekündigt, bloß anders.
Allmählich wurden wir aber doch ungeduldig, wollten wir doch nun endlich unsere zukünftige Eigentumswohnung ansehen. Der Bus fuhr zur Glogauer Straße, es hieß, dort sei eine Wohnung zu besichtigen. In der Glogauer angekommen, wollten die Herrschaften dort aber partout nicht anhalten, sondern weiter zu einer anderen Wohnung fahren. Offenbar waren die Veranstalter komplett überfordert von unserer guten Laune.