Jedes dritte Touristenbett steht in einer Ferienwohnung

Die Berliner MieterGemeinschaft hat in den letzten Monaten darum gebeten, über Ferienwohnungen in der Nachbarschaft Auskunft zu geben. Diese Umfrage bildet jedoch nur ein Standbein der wohl umfangreichsten Studie über Ferienwohnungen in Berlin. Denn ebenfalls wurden zahlreiche Internet-Portale ausgewertet, um die Gesamtzahl und Verteilung von Ferienwohnungen in Berlin zu ermitteln.

Rund 12.000 Wohnungen sollen es demnach sein, die bisher für den Mietwohnungsmarkt verloren gegangen sind und nur noch für Touristen vermietet werden – Tendenz steigend. Da sich durchschnittlich etwa 4 Betten in einer Ferienwohnung befinden, ergibt sich eine Gesamtzahl von annähernd 50.000 Ferienwohnungs-Betten. Vergleicht man dies mit der Anzahl von Hotelbetten (112.‍000) in der Stadt, so wird deutlich: Ferienwohnungen sind ein bedeutender Faktor in der Tourismuswirtschaft Berlins.

Wohl deshalb hat der Beriner Senat bislang kaum etwas unternommen, um den negativen Folgen der Umnutzung von Miet- in Ferienwohnungen zu begegnen. Denn der Tourismus gilt als eine der wichtigsten und prosperierendsten Branchen der Stadt.

Die Folgen der Ferienwohnungen erschöpfen sich allerdings nicht in einer Reduzierung des Mietwohnungsbestands. Denn viele Beroffene berichteten in der Umfrage von rücksichtslosem Verhalten der Feriengäste, das die Wohnqualität oftmals deutlich beeinträchtigt.

Wie zu erwarten war, konzentrieren sich Ferienwohnungen im innerstädtischen Bereich. Der Studie zufolge ist dies vor allem im Prenzlauer Berg und im Alt-Bezirk Mitte der Fall. Die größten Konzentrationen sind rund um Helmholtzplatz, Arnimplatz und die Invalidenstraße zu finden. Friedrichshain und Kreuzberg fallen deutlich weniger auf, dagegen zeigen sich Häufungen auch in Schöneberg.


Räumliche Verteilung von Ferienwohnungen auf die Lebensweltlich orientierten Räume (LOR) in Berlin – Grafik: MieterEcho

Die kommende Ausgabe des MieterEcho wird das Thema Ferienwohnungen als Schwerpunkt behandeln. Neben der Auswertung der Studie wird es Einschätzungen der juristischen und wirtschaftlichen Hintergründe geben, sowie Berichte von Betroffenen darüber, wie Politik und Verwaltung auf städtischer wie bezirklicher Ebene sich schwer tun, die sich ausweitende Umnutzung wenigstens angemessen zu regulieren.

Zum Artikel „Keine Gespensterdebatte – Die Zweckentfremdung durch Ferienwohnungsnutzung nimmt weiter zu“ von Laura Berner und Julian Wickert.

Zum Artikel „Verstärker einer verfehlten Wohnungspolitik – Tourismus und Wohnraumverknappung und welche Rolle Ferienwohnungen als grenzüberschreitende Kapitalanlage dabei spielen“ von Henning Füller


2 Antworten auf „Jedes dritte Touristenbett steht in einer Ferienwohnung“


  1. 1 trudelfisch 07. November 2011 um 18:24 Uhr

    Nochmal nachgerechnet: Wenn in einem LOR im Schnitt 7000 Einwohner/innen leben, dann stehen dem bei den Spitzenfällen in Mitte und Prenzlauer Berg 400 oder gar 500 Ferienwohnungen gegenüber. Macht bei durchschnittlich 4 Betten pro FeWo Summa summarum 1600 bis 2000 Betten, also glatt ein Viertel der Betten im Kiez!

  2. 2 trudelfisch 07. November 2011 um 18:47 Uhr

    Und nochmal nachgeschlagen: Die Einwohnerzahlen pro LOR schwanken ganz beachtlich, von wenigen Hundert bis über 30.000 Einwohner/innen. Die LORs mit den höchsten FeWo-Zahlen habe ich nachgeschaut (jeweils Einwohner am 31.12.2008):

    Invalidenstraße (Mitte): 12.995
    Arnimplatz (P-Berg): 13.622
    Helmholtzplatz (P-Berg): 20.699

    Hier wären also „nur“ zwischen 12 und 15 % (bzw. 8 bis 10 % beim Helmholtzplatz) der Betten in Ferienwohnungen.

    Ein Stück höher lägen die FeWo-Anteile hingegen hier:
    Falkplatz (P-Berg): 9.606
    Alexanderplatzviertel (Mitte): 8.032

    Da kommen dann FeWo-Anteile von bis zu 20 % heraus.

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