Mach meine Ini nicht an!

An der Mietenfrage hängen große Begehrlichkeiten, denn einerseits lassen sich durch steigende Mieten allein in Berlin Milliarden verdienen, andererseits trifft das kritische Thematisieren von Aufwertung und Verdrängung mitten hinein in die große soziale Frage: Investoren- und Mittelschichtinteressen sind es, die die Berliner Stadtentwicklung bestimmen, und die wachsende Kluft zwischen Reich und Arm trennt die Nutznießer von den Betroffenen.

Kein Wunder also, dass es nicht ohne Folgen bleibt, wenn Initiativen Ross und Reiter dieser Stadtpolitik benennen. Wer den Zeigefinder auf Profiteure und Akteure richtet, und wer es wagt, gegen mietpreistreibende Neubauprojekte Stimmung zu machen, gar den einen oder anderen Investoren und die Klientel schicker Eigentumswohnungen verunsichert, ist eine Gefahr für das von Senat und Bezirken vorangetriebe Projekt, die Berliner Innenstadtbezirke den Reichen und Schönen vorzubehalten.

Wie Lokalpolitiker der Treptower SPD auf die Aktivitäten der Stadtteilinitiave Karla Pappel reagierten, schildert ein aktueller Beitrag der Redaktion MieterEcho. Die Initiative informiert seit rund drei Jahren über steigende Mieten, Neubauprojekte, mietrechtliche Spielräume und die besondere Rolle eigentumsorientierter Baugruppen im sich rapide wandelnden Karl-Kunger-Kiez. Sie protestierte mit Mieter_innen der städtischen Wohnungsgesellschaft Stadt und Land gegen regelmäßige Mieterhöhungen und stellte öffentlich die Frage, was an der Mittelschicht zugehörigen Baugruppen bitteschön „sozial“ sein solle.

Waschechte Sozialdemokraten, wenn es sowas denn noch geben sollte, dürften angesichts des Treibens der Tretower SPD angewidert zurückschrecken: Die Arbeit der Karla Pappel-Initiative wurde nämlich auf unterstem Bild-Zeitungs-Niveau, klar: mithilfe des Springer-Konzerns, öffentlich als quasi-terroristisch gebrandmarkt, und angekündigt, man wolle die Initiative „zerstören“. Und das alles auf der Titelseite eines kostenlosen Anzeigenblattes, das jeder Haushalt im Bezirk erhielt.

Für Karla Pappel jedoch ist klar: Man hat offensichtlich die richtigen Fragen gestellt, der Mittelschicht die Deutungshoheit über die Stadt streitig gemacht, und wird natürlich dran bleiben. So sehen das auch die anderen Kiezinitiativen, die sich in den letzten Jahren in Berlin gegründet, im Stadtvernetzt-Netzwerk zusammengeschlossen und die große Mietenstopp-Demonstration vom 3. September organisiert haben.


1 Antwort auf „Mach meine Ini nicht an!“


  1. 1 SPD – Projekt A100 zerstört Wohn- & Lebensraum « Karla Pappel Pingback am 09. Oktober 2012 um 19:27 Uhr
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