Traummieten in der Reichenberger Straße

Das Hausprojekt im Fabrikgebäude der Reichenberger Straße 114 hat von der Hausverwaltung Ernst C. Hachmann GmbH Kündigungen erhalten. (Neue Eigentümerin ist seit rund einem Jahr die Akershus Immobilien GmbH, vertreten durch die Hausverwaltung.) Ungewöhnlich dabei: Es gab nicht eine Kündigung pro Mieter_in, sondern gleich etwa zehn Kündigungen pro Nase, nur eben in einem achtseitigen Kündigungsschreiben versammelt. Die Hausverwaltung hat also schlicht und einfach alles nur erdenkliche zusammenfabuliert, mit dem man möglicherweise kündigen könnte, in der Hoffnung, dass einer der Anläufe schon fruchten würde.

Die Qualität und Ernsthaftigkeit der Kündigungsbegründungen lässt sich an einem vortrefflichen Beispiel zeigen: Der Kündigung „wegen Hinderung angemessener wirtschaftlicher Verwertung gemäß §573 Abs. 2 Nr. 3 BGB“. Zu diesem Zwecke gibt die Ernst C. Hachmann GmbH ihre Rechenkünste zum besten:

„Die marktüblich erzielbare Nettokaltmiete beträgt hinsichtlich vorhandenen Nutzflächen von 1368 m² jährlich 3447,36 €.“

Da reibt man sich sogleich erstaunt die Augen, und rechnet man dies aus, so ergeben sich sagenhafte Quadratmetermieten von 0,21 €, die für ein nicht modernisiertes Fabrikgebäude im Reichenberger Kiez heutzutage „marktüblich“ sein sollen und somit vorführen, dass ohne Modernisierung aus dem Haus nichts herauszuholen sei.

Wir wünschen viel Spaß bei den anstehenden Gerichtsterminen, falls es die Akershus Immobilien GmbH und Ernst C. Hachmann GmbH wagen sollten, mit ihrem Märchenschrieb in petto auch nur eine_n ihrer Mieter_innen auf Herausgabe der Wohnung zu verklagen.


1 Antwort auf „Traummieten in der Reichenberger Straße“


  1. 1 multi nymus 31. Mai 2012 um 22:22 Uhr

    Leider haben wir beim SSK am Saliering 41 in Köln „wegen Hinderung angemessener wirtschaftlicher Verwertung“ vor ein paar Jahren eine Räumungsklage verloren. Die Begründung solltet ihr nicht unterschätzen.

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