Politische Ökonomie der Touristification

1. Workshop der Reihe: Berlin und seine Tourist_innen

„Zur politischen Ökonomie der Touristification Berlin-Kreuzköllns“
am Samstag den 9. Juni, 11 – 16 Uhr
Ort: Babylonia, Cuvrystraße 23a (Kreuzberg)

Tourismus ist die Konsumption kommodifizierter, also warenförmig gemachter Orte durch räumlich mobile Konsumenten. Die politische Ökonomie der Touristification be­steht daher aus diversen Wechselwirkungen zwischen touristischen Angeboten, Nachfra­gen und der Zirkulation/Mobilität von Menschen, Gütern und Informationen, bzw. der­en medialer Erzeugung und Übermittlung. Jede touristische Destination bedarf somit eines (mehr oder weniger) differenzierten, spezifizierten und vielfältigen Spektrums in­frastruktureller und dienstleistungsbasierter Angebote zur Befriedigung touristischer Wünsche und Bedürfnisse. Der Charakter dieser Angebote schwankt abhängig von lokalen Märkten und ihrem Publikum. In Berlin selbst ist in den letzten Jahren eine Ver­schiebung festzustellen. Neben der touristischen Konsumption von “Hochkultur” und “Geschichte” werden Party- und (homosexueller / queerer) Sextourismus sowie die touristische Suche nach konsumierbarem “authentischem urbanem Leben” immer relev­antere Marktsegemente.

Damit einher gehen Prozesse der touristischen Inwertsetzung neuer städtischer Räume, derzeit insbesondere “Kreuzköllns”. Dabei ist relevant, dass die touristischen Kon­sument_innen diese Orte nicht nur besuchen, sondern sie durch ihre Anwesenheit und konkreten Alltagspraxen als Tourist_innen ebenfalls mit produzieren. Der städtische Raum wird daher immer mehr auf die Bedürfnisse von Tourist_innen zugeschnitten, während er seinen Gebrauchswert für die lokal ansässige Wohnbevölkerung verlieren kann, bzw. diese verdrängt wird. Voraussetzung dafür ist allerdings auch die relative Ar­mut großer Teile der Berliner Bevölkerung, auf ihr gründet Berlins Aufstieg zu einer europäischen Metropole des “alternativen” Backpacker-Tourismus. Berlin ist nicht “arm, aber sexy”, sondern “touristisch sexy, weil arm”!

Diesen hier nur skizzierten Elementen und Wechselwirkungen touristischer Ortsproduk­tionen in Berlin wollen wir uns über die – raumtheoretisch geformte – Brille einer polit­ischen Ökonomie der Touristifizierung annähern: Neben einführenden Überlegungen und Begriffsklärungen (polit. Ökonomie des Touris­mus + Touristifizierung) wollen wir uns in drei Arbeitsgruppen 1. der Inwertsetzung der Stadt als touristischem Ort, 2. dem Zusammenhang von Gentrifizierung und Tourismus, sowie 3. dem konkreten Beispiel des Berliner Ferienwohnungsmarktes widmen.

Wir bitten Interessierte sich bei uns anzumelden und ihr Interesse an der jeweiligen Arbeitsgruppe zu signalisieren, damit wir noch kurzfristig kurze Vorbereitungslektüren versenden können.

Der freie Zusammenschluss Kritische Geographie Berlin beschäftigt sich seit längerem mit Phänomenen, Ursachen, Akteuren und Wirkungsweisen des neuen touristischen Interesses an Berliner “Trend- Bezirken“, wie etwa Mitte, Kreuzberg und Teilen Neuköllns (‚Nordneukölln’). Bisher haben wir uns in unterschiedlicher Intensität und Regelmäßigkeit einen Überblick über das Thema verschafft und uns mit einzelnen Facetten von Touristifizierung der Stadt und “Kreuzköllns“ beschäftigt. In der 2012 stattfindenden Workshopreihe möchten wir uns und anderen die Möglichkeiten schaffen, in einem strukturierten Versuch der Annäherung an unterschiedliche Dimensionen der Touristification diese in ihrem komplexen Charakter etwas lesbarer zu machen und uns über Fragen der Analyse und Bewertung auch zu möglichen Interventionen und Initiativen zu verhalten.

Charakter der Workshops:
Angestrebt wird eine vorstrukturierte, aber gleichzeitig möglichst offene Debatte, („niedrig schwellig und niedrig schwallig“), die von einzelnen Mitgliedern der kritischen geographie berlin vorbereitet und moderiert wird. Die Workshops Touristification gehen davon aus, dass das Thema (auch aus eigener touristischer Praxis) für alle Beteiligten an Erlebnis- und Erfahrungshorizonte anschlussfähig ist. Positionshierarchien und ‚good and evil’ – Polaritäten sollten dadurch zu bewältigen sein.

Teilnehmen können alle Leute die sich über die Mailingliste angesprochen fühlen sowie eingeladene Gäste (Maximal allerdings ca. 30 Personen). Die Teilnahme ist kostenlos.

Weitere Workshops der Reihe:
- Workshop 2: (lokale) Governance des Tourismus und der Tourist_innen (voraussichtlich Aug./Sept. 2012)
- Workshop 3 : Touristische Alltagspraktiken (voraussichtlich Okt./Nov. 2012)

Kontakt und Anmeldung:
Kris Maschewsky: kris.maschewsky(ät)gmx.net
Thomas Bürk: tombuerk(ät)gmx.de