Zeltstadt Tempelhof

Reagiert der rot-schwarze Senat endlich auf die wachsende Berliner Wohnungsnot? Gibt es Sofort-Maßnahmen, die den Mangel an bezahlbaren Wohnungen lindern sollen? Hat der Senat herausgefunden, wie sich das Koalitionsversprechen von 30.000-fachem neuen Wohnraum mit den bitteren Ansprüchen des europäischen Fiskalpakts in Einklang bringen ließe?

In den Hangars des Flughafen Tempelhof wurde eine Stadt aus 5.000 blauen Zelten aufgebaut. Allerdings nur als Werbegag für die „Campus Party“ – ein sechstägiges Festival für Computerbegeisterte. Ein einzelner Platz in einem Doppelzelt ist für 64 Euro zu haben – damit werden bislang ungeahnte Mietpreise erreicht: umgerechnet eine Monatsmiete von über 100 Euro pro Quadratmeter…

Dabei ist die Vorstellung massenhafter Notunterkünfte alles andere als lustig. Bereits jetzt berichten Sozialarbeiter/innen der Wohnungslosenhilfe, dass es kaum mehr gelingt, für in Not geratene Berliner/innen wieder eine eigene Wohnung zu organisieren. Wer ohne Mietschuldenfreiheitsbescheinigung des letzten Vermieters blieb, Einträge in der Schufa hat, kann auch in Spandau oder Marzahn dutzende oder hunderte Wohnungsangebote abklappern und nichts als Ablehnungen kassieren.

Die Wohnungsnot trifft als erstes all jene, die unter sozialen Schwierigkeiten leiden und darüber ihre Wohnung verlieren. Bis vor wenigen Jahren noch gelang es stets, für diese benachteiligte Klientel noch Wohnungen zu ergattern, wenn auch oft weniger gute. Doch mittlerweile ist die Einwohnerzahl Berlins soweit gestiegen, dass wir von einem echten Wohnungsmangel sprechen müssen. Immer mehr Betroffene fallen „hinten runter“, sind auf Übergangswohnheime und Notunterkünfte angewiesen, müssen – allzuoft unter entwürdigenden Bedingungen – bei Verwandten oder Bekannten unterschlüpfen, oder landen gar auf de Straße. Die in diesem Jahr auf Brachflächen wie Pilze aus dem Boden schießenden Zelte sprechen Bände über die schweren wohnungspolitischen Versäumnisse der vergangenen Dekade.