Zwangsräumungen stoppen! – Lernen von Spanien?

Veranstaltung zur Spanischen Bewegung gegen Zwangsräumungen

Samstag, 1. September, 18 Uhr, Kotti-Gecekondu (Admiralstr./Skalitzer Str.)
direkt nach der Lärmdemo

Die Situation vieler MieterInnen in Berlin spitzt sich zu. In Krisenzeiten sucht das Kapital weltweit nach lukrativen Anlageobjekten und flüchtet sich in vermeintlich sichere Immobilien, auch in Berlin. Luxussanierung und Mietexplosion sind die Folgen. Gleichzeitig steht auch den MieterInnen im Sozialen Wohnungsbau das Wasser bis zum Hals. Austeritätspolitik und Schuldenbremse verschärfen das Problem.

Menschen, die, wie Frau Cengiz am Maybachufer, akut von Zwangsräumung bedroht sind, sind wohl am heftigsten von dieser Entwicklung betroffen.

In Spanien sind Zwangsräumungen längst zum Massenphönomen geworden – aber auch der Widerstand! Drei Mitglieder der Bewegung berichten von ihren Kämpfen gegen Zwangsräumungen und für ihr Recht auf bezahlbaren Wohnraum.

Die Krise in Spanien nimmt immer dramatischere Ausmaße an: Jeden Tag werden derzeit 517 Haushalte aus ihren Wohnungen geräumt, weil sie infolge von Arbeitslosigkeit die Raten für die Tilgung der Hypothek nicht mehr bezahlen können. Während bis zu 6 Millionen Wohnungen leer stehen, sind seit 2008 rund 400 000 Haushalte auf die Straße gesetzt worden!

Zum Hintergrund: Der Anteil von Mietwohnungen am gesamten Wohnungsbestand liegt in Spanien bei lediglich 10%. Daher ist es die Regel, dass auch NormalverdienerInnen Kredite aufnehmen, um eine Wohnung zu erwerben. Für die geräumten Familien ist die Situation ein real gewordener Alptraum: Die Zahlungsunfähigkeit führt dazu, dass sich die kreditgebenden Banken ihre Wohnungen aneignen — da der Wert der Wohnungen mit dem Platzen der Immobilienblase massiv gesunken ist zu einem Bruchteil des ursprünglichen Kaufpreises. Die Betroffenen verlieren nicht nur ihr Dach über dem Kopf: Da es in Spanien keine Privatinsolvenz mit Restschuldbefreiung gibt, bleiben sie auch noch auf einem Berg von Schulden sitzen, den sie niemals im Leben abbezahlen können!

Aber immer mehr Menschen wehren sich gegen diese Situation: Im ganzen Land wurden mittlerweile mehrere hundert Zwangsräumungen verhindert, weil sich NachbarInnen gemeinsam der Polizei in den Weg gestellt haben.

Die Betroffenen und ihre UnterstützerInnen üben Druck auf die Banken aus, damit sie weiterhin in ihren Wohnungen wohnen bleiben können. In einigen Städten sind obdachlos gewordene Familien dazu übergegangen, Häuser zu besetzen. Parallel läuft derzeit eine Gesetzesinitiative, die die Entschuldung und das Behalten der Wohnung bei einer einkommensabhängigen Miete regeln soll.

Mitglieder der Plataforma de los Afectados por la hipoteca (Plattform der Betroffenen der Hypothek) werden am 1. September ausführlich über die Situation und den Widerstand berichten.

Veranstaltet von: Avanti – Projekt undogmatische Linke

Diese Veranstaltung ist Teil einer Reihe, die in Hamburg, Rostock, Bochum, Düsseldorf, Hanau, Marburg und Hannover fortgesetzt wird.