Archiv für Oktober 2012

Mittwoch Kundgebung gegen Zwangsräumung


Rund 150 Leute vor dem Haus, in der Hausdurchfahrt und im Treppenhaus des Hinterhauses verhinderten am Montag, den 22. Oktober eine Zwangsräumung in der Lausitzer Straße in Kreuzberg. Foto: Adrienne Gerhäuser

Nach der verhinderten Zwangsräumung in der Lausitzer Straße am Montag gilt es nun den Eigentümer André Franell zu überzeugen, die Räumung ganz zurückzunehmen. Deshalb kommt Alle vor Franells Büro in seinem „Immobilienkompetenzzentrum“:

Emser Straße 9, Wilmersdorf (U-Fehrbelliner Platz)
Mittwoch, 24. Oktober um 16 Uhr

Gemeinsam gegen Zwangsräumung,
steigende Mieten und Verdrängung!

Sollte die Gerichtsvollzieher_in einen zweiten Versuch zur Räumung unternehmen, so wird das öffentlich gemacht:
zwangsraeumungverhindern.blogsport.de

Update: Bericht dazu in der Berliner Zeitung:
Kreuzberg: Wachsender Protest gegen Zwangsräumungen
und Schwerpunktthema in der Jungen Welt (25.10.)

Berichte zur verhinderten Räumung Lausitzer Straße

Videobeitrag von Leftvision:

Berliner Zeitung (sehr gut!)
Berliner Morgenpost
Artikel im Tagesspiegel (lausig)
Artikel im Berliner Kurier
Längerer Artikel mit Foto im Neuen Deutschland
Artikel in der Taz
Bericht auf Indymedia, auch zum Besuch beim Eigentümer und zur abendlichen Demo
Längere Fassung des Taz-Artikels bei Telepolis
Kurzer Artikel mit Foto und langer Artikel in der Jungen Welt
Fotos von der abendlichen Demo von PM Cheung und von Björn Kietzmann

Zwangsräumung verhindert! – Demo heute abend

Heute morgen sollte in der Lausitzer Straße 8 eine Familie aus ihrer Wohnung geräumt werden. Sie wohnen teilweise seit 35 Jahren in dem Haus. Der neue Eigentümer, André Franell, hatte das Kreuzberger Haus im Rahmen einer Zwangsversteigerung erworben und als erstes allen Bewohner/innen gekündigt.

Nun rückten also die Gerichtsvollzieherin mit dem Hausmeister im Schlepptau an, um die Wohnung aufzubrechen. Doch im Haus und vor dem Haus blockierten ca. 200 Nachbar/innen, Freund/innen der Familie und Mietaktivist/innen den Zugang. Die Gerichtsvollzieherin musste wieder abziehen – der Jubel war groß! Die Familie kann also erstmal weiter in der Wohnung bleiben.

Heute abend soll dieser erste Erfolg auf einer Demonstration gefeiert werden:
Sie soll um 19 Uhr am Spreewaldplatz (Wiener Straße) starten.

Weitere Infos:
- Pressemitteilung bei Zwangsumzüge verhindern!
- Kurzbericht und Pressemitteilung bei Indymedia
- Kleines Video von der Räumungsverhinderung
- Interview mit Ali Gülbol (von der betroffenen Familie)

Reichtum mehren durch Steuerabschreibungsmodelle

Nein, dies ist keine Anleitung zur staatlich garantierten Bereicherung:

Infoveranstaltung und Vortrag: „Wie die Miete zur Rendite wird“.
Die Reichen werden in unserer Gesellschaft reicher, die Armen ärmer und auch zahlreicher. Das wird inzwischen vielseits anerkannt. Wie das jedoch entgegen der Lippenbekenntnissen aller Couleur staatlich garantiert und gefördert wird, sehen wir bei der Immobilienwirtschaft. Warum ist z.B. die Rendite aus Spekulation um so höher, je mehr man verdient? Viele Lockmittel sind sogar nur für die Reichsten der Reichen gemacht. Anhand der Immobilienwirtschaft wird gezeigt, wie das funktioniert und was man dagegen machen kann. Auf der anderen Seite wird die Miete vom Sozialleistungsträger (z.B. Jobcenter) an die Eigentümer gezahlt, was die Rendite sichert, das bekommt jedoch als „soziale Errungenschaft“ das Etikett „Sozialleistung“.

Dienstag, 16. Oktober um 21 Uhr
im Vetomat, Scharnweberstraße 35
(Friedrichshain)

Davor um 20 Uhr Film „Unter deutschen Dächern – Prenzlauer Berg“ – eine Gentrifizierungs-Doku

Update: Die Veranstaltung war gut besucht, spannend, und regte zu vielfältigen Diskussionen an. Sie soll am 8. November im Zielona Gora (Grünberger Straße 73, Friedrichshain) nochmals stattfinden, und zwar um 19 Uhr. Davor wird um 18 Uhr wieder ein Film laufen.

Denn sie wissen was sie tun

Wir wissen, dass die neue Situation zu Mietsteigerungen auch bis zur Kostenmiete führen wird. Es wird Mieter geben, die ihre Wohnung verlassen müssen, weil sie die neue Miete nicht zahlen können. Wir bedauern diese Eingriffe in individuelle Lebensplanungen.
Es wird Vermieter geben, die die neue Situation ausnutzen wollen. Sie werden die Kostenmiete verlangen, um die Wohnungen frei zu bekommen und sie anschließend als Eigentumswohnungen zu verkaufen.

Dies sprach der damalige Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) am 30.1.2003 im Berliner Abgeordnetenhaus, als die Abschaffung der Anschlussförderung im Sozialen Wohnungsbau debattiert wurde. Nachzulesen im Plenarprotokoll (PDF) auf Seite 1816. Wenige Tage darauf beschloss Strieder mit seinen rot-roten Senatskollegen die Abschaffung der Anschlussförderung, ohne Maßnahmen zum Aufzufangen der von ihm beschriebenen Folgen zu ergreifen.