Hunderte auf der Straße gegen Zwangsräumung – Was ist „Erfolg“?

Als im letzten Oktober 200 Sitzblockierer_innen den Zugang zur Lausitzer Straße 8 für eine Gerichtsvollzieherin versperrten, war erfolgreich ein Zwangsräumungsversuch vereitelt worden – der Jubel war groß. Als heute rund 1000 auf der Straße waren und gegen 400 Robocops keinen klaren Erfolg erringen konnten, weil diese den Widerstand austricksten und sich einen eigenen Weg über diverse Hinterhöfe suchten, da fragten wir uns hinterher: Was war das denn nun?

Die Räumung nicht verhindert – die Familie Gülbol hat ihr langjähriges Zuhause verloren. Ein bitterer Tag.

So viele hunderte entschlossene Leute, die auf unterschiedlichste Weise den ungleichen Kampf gegen das staatliche Gewaltmonopol eingingen – sie machten die Zwangsräumung zu einem geradezu unfassbaren Aufwand. Sie trieben den politischen Preis der Räumung weit in die Höhe. Ein besonderer Tag.

Ob dieser Tag ein echter Erfolg geworden ist, werden wir erst wissen, wenn es uns gelingt, den heutigen Widerstand auf weitere Fälle zu übertragen. Wenn Mieter_innen, denen vor Gericht das Recht auf ihre Wohnung abgesprochen wurde, sagen: Nein, so nicht, das lassen wir nicht zu – und wir wollen, dass uns andere unterstützen, um die Räumung so schwer wie möglich zu machen. Wenn dann immer wieder hunderte Sitzblockierer/innen auftauchen. Wenn dann der Senat an einen Punkt kommt, festzustellen, dass die Zwangsräumungen politisch nicht mehr durchsetzbar sind. Und damit letztendlich nicht nur die gesamte Mieten- und Wohnungspolitiks-Farce des Senats ins Wanken gerät – und mit ihr der geregelte Ablauf auf dem kapitalistisch organisierten Wohnungsmarkt ins Wanken zu geraten droht. Ja dann…

Bis dahin freuen wir uns über diesen neuen Abschnitt, diese neue Aktionsform, diesen neuen Ausdruck der Berliner Mieter_innenbewegung – und hoffen, dass sie daran wachsen und an Entschlossenheit gewinnen wird.

Übrigens: Das Bündnis „Zwangsräumungen verhindern!“ sagt Danke!

Und wenn es 400 Polizist_innen und einen Hubschrauber braucht, um eine Wohnung zu räumen, dann ahnen wir, dass der Staat dies nicht lange durchhalten wird, wenn wir uns öfter in dieser Form zusammenfinden. Deswegen gilt für uns das, was Ali Gülbol heute nach der Räumung gesagt hat: „Der Kampf hat gerade erst begonnen.“


2 Antworten auf „Hunderte auf der Straße gegen Zwangsräumung – Was ist „Erfolg“?“


  1. 1 Kein Tag der Liebe für Familie Gülbol? (update 15.2.2013) « Ihmestadt Pingback am 15. Februar 2013 um 10:37 Uhr
  2. 2 Erster Presseüberblick « Zwangsräumungen gemeinsam verhindern Pingback am 16. Februar 2013 um 17:11 Uhr
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