Wenn das Monster sichtbar wird…

Kaum dreht sich eine Zwangsräumung nicht mehr um eine fünfköpfige Familie, zwar migrantischen Hintergrunds, aber immerhin Mit­tel­schicht wollten sie gern ihre eigene Wohnung kaufen, sondern um alte, kranke, den verbreiteten üblen Nachreden zufolge gar „psychisch kranke“ und womöglich irgendwie schwierige Betroffene, da hört es auch schon auf mit der breiten medialen Zustimmung, blockierte Zwangsräumungen seien gerechtfertigt und angemessen.

Die zuvor breit getretene Solidarität mit Betroffenen wird in vielen Mainstream-Medien aufgekündigt: Wer nicht nett ist, dem darf demzufolge die Wohnung, das Zuhause weggenommen werden, der darf auch auf die Straße gesetzt werden, und sei er/sie noch so schwer krank. Denn mit so Leuten mag die bürgerliche Journaille dann doch nichts zu tun haben, und also haben die Betroffenen es nicht verdient zu wohnen, d.h. zu leben. Das ist es wohl, was man gelebten Sozialdarwinismus nennt.

Der Tagesspiegel ließ am deutlichsten die Maske fallen und entblößte sich als bürgerliches Kampfblatt für die Interessen der Haus- und Wohnungseigentümer/innen, und waren die Artikel auch noch so schlecht, einseitig und mies zusammengestümpert.

So wurde immerhin klar: Der Protest und Widerstand gegen Zwangsräumungen setzt an der richtigen Stelle an, stellt direkt die soziale Frage, unmittelbar verknüpft mit der Eigentumsfrage, und so ist es nur logisch, dass diejenigen, die in den großen Medien das Sagen haben – allesamt Hauseigentümer, gewiss! – die erstbeste Gelegenheit nutzen, um Stimmung gegen die so sehr spürbare breite Zustimmung für Zwangsräumungs-Blockaden zu machen.

Wir sind auf dem richtigen Weg. – Danke, Tagesspiegel & Co.!


4 Antworten auf „Wenn das Monster sichtbar wird…“


  1. 1 Max 28. Februar 2013 um 21:09 Uhr

    Die Berichterstattung ist wirklich eklig, die LeserInnekommentare überwiegend auch.

    Allerdings ist es schon merkwürdig, dass ein Malermeister und eine Erzieherin jetzt schon „Mittelschicht“ sind, statt etwa arbeitende Klasse…

  2. 2 trudelfisch 02. März 2013 um 16:48 Uhr

    Naja, ich dachte nur daran, dass die Gülbols ihre Wohnung immerhin selbst kaufen wollten. Warum soll arbeitende Klasse nicht auch Mittelschicht sein/werden können?

  3. 3 Elke Mecklenburg 07. März 2013 um 11:57 Uhr

    Also ich habe der Betriebskosten Abrechnung meiner neuen Verwaltung ( welche gleichzeitig Eigentümer ist) per Anwalt widersprochen!
    UND man sehe und STAUNE gleich darauf eine Mieterhöhung um 100% erhalten!!
    WAS SAGT UNS DAS?????????????
    SELEKTION!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Was soll ich nun tun???????????

  4. 4 trudelfisch 08. März 2013 um 20:06 Uhr

    Was tun? – Eine Mieterhöhung um 100% kann juristisch höchstens richtig sein, wenn es um eine Modernisierung geht. Und auch dann lässt sich oft etwas daran tun, dass man die Erhöhung nicht voll hinnehmen muss. Bei „normalen“ Mieterhöhungen gilt: Maximal 20% innerhalb von 3 Jahren, außerdem darf die ortsübliche Miete dabei nicht überschritten werden. Ausnahmen dafür gelten nur, wenn es sich um Sozialen Wohnungsbau handelt und die Förderung nach der Grundförderung nicht verlängert wurde. (Dies alles gilt für das deutsche Mietrecht.)

    Wegen all dieser Fragen unbedingt zu einem/einer erfahrenen Mietrechtsanwält/in gehen! Am besten ist es, Mitglied in einer der größeren Mieterorganisationen zu seine, z.B. der Berliner MieterGemeinschaft. Dann kann man sich jederzeit kostenlos beraten lassen und braucht wegen der Rechtschutzversicherung ein Gerichtsverfahren zur Klärung der Auseinandersetzung nicht zu fürchten.

    Und dann würden wir noch empfehlen, mit den Nachbar/innen zu sprechen: Wer aus dem Haus hat ähnliche Mieterhöhungen erhalten? Wenn sich Mieter/innen gemeinsam wehren, dann können sie viel leichter dem Vermieter Grenzen aufzeigen, sich gegenseitig untertsützen und vor allem fühlt man sich nicht allein ohnmächtig der Willkür des Vermieters ausgesetzt, sondern kann zusammenhalten und etwas dagegen setzen.

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