Archiv für April 2013

Spanien: Krise, Wohnen, Widerstand – zum Nachhören

Die Veranstaltung „Spanien – die Häuser den Banken?“ vom letzten Donnerstag kann jetzt als Audioaufnahme nachgehört werden. Außerdem sind die Videoclips, die auf der Veranstaltung gezeigt wurden, mit deutschen Untertiteln abrufbar.

Es geht darum, wieviele Menschen im Zuge der Krise ihr Dach überm Kopf verloren haben, zwangsgeräumt wurden, und am Ende stehen die mit Staatsgeldern geretteten Banken mit den geräumten, leer stehenden Häusern da, ein riesiger Immobilienbesitz, und die die durch die Krise alles verloren haben, ihre Arbeit, ihre Wohnung, ihre Ersparnisse, nun obdachlos mit einem riesigen Berg Schulden, den sie ihr Leben lang nicht mehr abtragen können. Dabei waren es die Banken, die die betrügerischen Hypothekenverträge diktiert hatten…

Gegen all dies wehren sich viele Betroffene, sind zu einer Bewegung zusammengekommen. Es gibt viele Demonstrationen, Zwangsräumungen werden blockiert und verhindert, leere Wohnungen durch obdachlose Familien besetzt, ein neues solidarisches Leben unter den Betroffenen der Krise geübt.

Die nächste Veranstaltung in der Reihe „Wohnen in der Krise – Neoliberalismus, Kämpfe, Perspektiven“ wird sich um Griechenland drehen:

23. Mai 2013: Griechenland – Krise frisst Wohnen

19 Uhr Sonnenallee 101, Neukölln

Die herrschende Krisenbewältigungspolitik von Troika und europäischen Eliten führt zur umfassenden Verarmung großer Teile der griechischen Bevölkerung. Letzte Ansätze einer sozialen Wohnraumversorgung wurden abgeschafft. Obdachlosigkeit und Zwangsräumungen werden immer häufiger. Besonders steigende Steuern machen Kleineigentümern zu schaffen, deren Anzahl die der Mieter weit übersteigt. Dagegen entstehen Bündnisse und Forderungen nach einem Recht auf Wohnen werden lauter. Dimitra Siatitsa aus Athen berichtet.

Keine Zwangsräumung in der Hermannstr. 208?

Wie das Bündnis ‚Zwangsräumung verhindern‘ und die Stadtteilgruppe 44 heute mitteilten, hat die städtische Wohnungsgesellschaft ‚Stadt und Land‘ mündlich in Aussicht gestellt, die für den 29. April angekündigte Zwangsräumung in der Hermannstraße 208 auszusetzen und für die betroffene Familie eine kleinere, Hartz-IV-kompatible Wohnung im eigenen Bestand zu suchen.

Da das Bündnis an anderer Stelle bereits schlechte Erfahrungen mit nicht eingehaltenen mündlichen Zusagen städtischer Wohnungsunternehmen gemacht hat, will es den Aufruf zur Zwangsräumungs-Blockade am 29. April erst zurückziehen, wenn von Stadt und Land eine schriftliche Bestätigung der mündlichen Zusage vorliegt. Die Stadtteilgruppe lädt auch weiterhin zu einer Versammlung der Stadt-und-Land-Mieter/innen am 24. April ein.

Weiter Informationen in der Pressemitteilung des Bündnisses und in einem Bericht der Stadtteilgruppe.

Update: Die Zeichen verdichten sich, dass Stadt und Land die Zwangsräumung am 29. April in der Hermannstraße 208 tatsächlich abgesagt hat. Das Bündnis ‚Zwangsräumung verhindern‘ hat den Termin nun auf der Termine-Seite durchgestrichen. Der Tagesspiegel berichtet von der Absage.

Petition gegen Abriss von Mietwohnungen

Gerade erst 20 Jahre alt sind die Mietwohnungen, die nun abgerissen werden sollen: Plattenbauten aus der Wendezeit, die an der Wilhelmstraße und drum herum in Berlin-Mitte stehen. Was sie so besonders macht, soll nun offenbar zu ihrem Nachteil werden – sie liegen gerade eine Steinwurf vom Brandenburger Tor und dem Holocaust Mahnmal entfernt. Der Baugrund wäre auf dem Immobilienmarkt also irrsinnig wertvoll, stünden dort nicht die recht gewöhnlichen Wohngebäude.

Noch dazu ist die fast 1000 Wohnungen umfassende Anlage ein Musterbeispiel der Privatisierungspolitik unter Rot-Rot: Die städtische Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) verkaufte die Wohnungen zwischen 2002 und 2004 an private „Investoren“, und der Senat sah Jahre später auch keinen Anlass, die im Vertrag enthaltene Möglichkeit der Rückabwicklung des Geschäfts zu nutzen. Auch gegen die massenhafte Umwandlung frei werdender Mietwohnungen in Ferienapartments unternahm der Senat nichts. Statt dessen wurde bereits ein Antrag auf Abriss eines Bauabschnitts in der Wilhelmstraße 56-59 bewilligt.

Doch diese Abrissgenehmigung bricht nicht die geltenden Mietverträge, und glücklicherweise hat sich in der Wohnsiedlung schon vor einigen Jahren eine sehr aktive Mieterinitiative gegründet, die Bürgerinitiative Wilhelmstraße. Diese hat nun eine Online-Petition gegen den Abriss der Wohnungen eingereicht:

Bitte unterzeichnen und weitersagen: Für den Erhalt der Wohnanlage Wilhelmstraße und Umgebung

Spanien: Die Häuser den Banken?

Die Veranstaltungsreihe „Wohnen in der Krise. Neoliberalismus – Kämpfe – Perspektiven“ widmet sich am morgigen Donnerstag dem Krisenland Spanien. Von den vorangegangenen Veranstaltungen zu New York und Polen sind Audioaufnahmen der Vorträge und die eingespielten Videos bei Youtube dokumentiert.

In Spanien gibt es einerseits neu gebaute menschenleere Geisterstädte. Andererseits verlieren Hunderttausende ihre Wohnungen und Häuser, da immer mehr Menschen ihre Kredite nicht bedienen können. Mit dem Netzwerk und den Aktionen der Plattform der Hypothekenbetrofenen (PAH) entwickelt sich landesweiter Widerstand. So werden Zwangsräumungen verhindert und Nachbarschafts-Zusammenhänge gestärkt.
Eduard Baches arbeitet bei der PAH Lleida / Katalonien und berichtet von dort.

18. April um 19 Uhr
Beratungsstelle der Berliner MieterGemeinschaft, Sonnenallee 101 (Neukölln)

Mietenpolitische Kiezspaziergänge allüberall

Kaum ist der Frühling da, wollen alle raus. Auch politisch aktive Mieter_innen. Und weil das in der Sonne sein nicht vereinzelt geschehen muss, gibt es allerlei Angebote, gemeinsam rauszugehen. Bei mietenpolitischen Kiezspaziergängen z.B.:

So, 21. April im Wedding
Kiez­spa­zier­gang gegen Gen­tri­fi­zie­rung – wie ver­än­dert sich die Ge­gend rund um S-Bahnhof Wed­ding, Leo­pold­platz, Mül­ler­stra­ße und Os­ram­kiez? Dabei geht es um The­men wie Mietstei­ge­run­gen, Ver­drän­gungs­pro­zes­se und dies­be­züg­li­che Ver­feh­lun­gen der Stadt­ent­wick­lungs­po­li­tik. (Im Rah­men von „Wed­din­ger Näch­te sind lang! Ver­an­stal­tun­gen gegen Ras­sis­mus und so­zia­le Aus­gren­zung“)
14 Uhr ab S-​Bahn­hof Wed­ding

Mi, 24. April in Fried­richs­hain
Kiez­spa­zier­gang zu Orten von Mie­ter_in­nen­ver­drän­gung und -​wi­der­stand in Fried­richs­hain. Ab­schluss mit Vi­deo­kund­ge­bung um 20 Uhr am Box­ha­ge­ner Platz.
18 Uhr ab U-Bahnhof Frank­fur­ter Allee

Sa, 27. April in Rixdorf
Kiez­spa­zier­gang an die Orte der Mietstei­ge­rung und Ver­drän­gung: Das Rix­dor­fer Kiez­fo­rum lädt ein zu einem Spa­zier­gang zu Orten, an denen sicht­bar wird, dass es hier nicht um un­aus­weich­li­che Ent­wick­lun­gen geht, son­dern dass Gen­tri­fi­zie­rung von Be­zirk und Senat po­li­tisch ge­wollt und ge­zielt her­bei­ge­führt wird.
15 Uhr ab Karl-​Marx-​Platz