Wohnungsnot – für wen?

Wann können wir behaupten, „es herrscht Wohnungsnot“? Für Leute mit viel Vermögen und hohem Einkommen herrscht nie Wohnungsnot, mal davon abgesehen, dass einige von ihnen sich an der Wohnungsnot anderer bereichern.

Wohnungsnot wird dann zu einem öffentlichen Thema, wenn…
a) sie durch auffällige Obdachlosigkeit im öffentlichen Raum unübersehbar wird oder
b) die untere Mittelschicht davon betroffen wird bzw. sie Angst bekommt davon betroffen zu werden.

Noch vor wenigen Jahren betraf Wohnungslosigkeit in Berlin zumeist Menschen mit starken sozialen und psychischen Problemen. Waren sie bereit, sich in die Hände der Wohnungslosenhilfe zu begeben, so konnte mit der Zeit oft eine Wohnung für sie gefunden werden, da es genügend Spielraum auf dem Wohnungsmarkt dafür gab. Das waren dann oft minderwertige Wohnungen, aber es waren Wohnungen. Das gleiche galt für Menschen, die als Flüchtlinge nach Berlin kamen.

Heute herrscht Wohnungsmangel in Berlin. Und damit für einen wachsenden Anteil der Bevölkerung das Risiko, wohnungslos zu werden. Zuerst trifft es diejenigen, die am meisten durch diskriminierende Strukturen ausgegrenzt werden.

Vor zwei Jahren lebten in Berlin rund 2.500 Flüchtlinge in Sammelunterkünften des Landesamts für Gesundheit und Soziales (LAGeSo). Heute sind es bereits mehr als doppelt so viele. Immer mehr neue Massenunterkünfte werden fieberhaft gesucht, eingerichtet und eröffnet – jedoch nicht weil die Zahl der Flüchtlinge so dramatisch steigt. Nach ihrer Anerkennung finden diese (erschwert von der Bürokratie der Sozialämter) einfach keine Wohnung mehr und bleiben notgedrungen in den für einen längeren Aufenthalt unzumutbaren Sammelunterkünften.

Das Bündnis gegen Lager hatte am 16. Mai zu einer Veranstaltung unter dem Titel „Lagerland Berlin“ einladen. Beteiligt waren auch der Flüchtlingsrat, die Berliner MieterGemeinschaft und betroffene Flüchtlinge. Der gut lesbare Bericht über die Veranstaltung auf dem Blog des Bündnisses ist sehr empfehlenswert. Dabei geht es nicht nur um die Darstellung der Problemsituation, sondern auch um verschiedene Ansätze, damit Flüchtlinge wieder zu Wohnungen kommen können.