Mieter/innen kippen Jubelfeier zum Sanierungsgebiet

Wie auf dem Nachbarschaftsblog Leute am Teute und auf Indymedia berichtet wurde, haben Mieter/innen in Prenzlauer Berg am Freitag mittag eine Ausstellungseröffnung zum aufgehobenen Sanierungsgebiet Teutoburger Platz platzen lassen. Vom Bezirk Pankow, der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und dem Sanierungsträger STERN war in die Galerie Aedes auf dem Pfefferberg geladen worden, um die innerhalb von 18 Jahren durchgesetzte Aufwertung des Stadtviertels zu feiern.

Rund zwanzig Anwohner/innen, recht fein in Schwarz gekleidet, legten zu den einleitenden Worten der Galeristin einen Trauerkranz, Blumen und Grabkerzen nieder, dazu einige Schilder, die den betrauerten Verlust erklärten: Namen verlorener sozialer Orte wie z.B. Jugendklubs, Grünflächen, Kneipen und entmietete Wohnhäuser. Eine Trauerrede folgte, wo eigentlich der Auftritt des Baustadtrats gewesen wäre.

Liebe Trauergemeinde!
Werte Trauergäste!

Wir alle sind an diesem Freitag, einem 13., an diesem Ort zusammengekommen, um vom Sanierungsgebiet Teutoburger Platz endgültig Abschied zu nehmen. Die Häuser sind zwar geblieben, aber die Menschen, die diese Häuser bewohnten und sie mit Leben füllten, sind von uns gegangen.
Wir trauern heute um ganz Pankow und Prenzlauer Berg: Um Mieterinnen und Mieter, die nichts mehr zu beißen haben, weil sie jetzt so viel für die Miete zahlen müssen. Um verdrängte und traumatisierte Einwohner, die ihre Wohnungen aufgeben mussten, weil sie die Schikanen der neuen Eigentümer nicht mehr ertrugen. Um Alte, Arme und Arbeitslose, die weggezogen sind, weil in diesem Bezirk nur Menschen mit Geld willkommen sind.
Darüber hinaus gedenken wir auch: der freien, unverbauten Flächen, der sozialen Infrastruktur, Jugendeinrichtungen, Clubs, Kneipen, Läden – die Platz für Biosupermärkte, Jogastudios, Edelrestaurants und Markenboutiquen machen mussten.
Es ist nun an der Zeit, all diese Menschen und Einrichtungen zu verabschieden. Tun Sie das bitte jetzt – im Hören wie im Schweigen und in aller Traurigkeit.

Meine lieben Trauergäste,
der Leichenschmaus ist hiermit eröffnet.

Baustadtrat Kirchner zeigte sich recht erbost und kommentierte die Rede mit Zwischenrufen wie „Na und!“ und „Wen stört’s!“ – und betonte anschließend, die Verdrängung der allermeisten Mieter/innen im Sanierungsgebiet sei letztendlich nachrangig, man solle doch endlich die „erfolgreiche“ Sanierungskulisse (und diejenigen, die davon profitierten?) feiern. Da war die Stimmung unter den Gästen aber bereits verhagelt. Sekt schlürfte man dennoch, er war schließlich da.


2 Antworten auf „Mieter/innen kippen Jubelfeier zum Sanierungsgebiet“


  1. 1 crack 18. September 2013 um 20:47 Uhr

    Jaja, es ist Wahlkampf und so ist wohl auch die Darstellung der Äußerungen von Kirchner zu verstehen. Derselbe Kirchner übrigens, der gerade dabei ist, das ehemalige Sanierungsgebiet zum Erhaltungsgebiet zu erklären, um dadurch weitere Luxussanieurungen zu verhindern.

  1. 1 Trauerrede sprengt Bezirksamts-Empfang zum Sanierungsgebiet Teutoburger Platz | Anwohner-Initiative Ernst-Thälmann-Park Pingback am 16. September 2013 um 16:25 Uhr
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