Was haben Georg Thaler, André Franell, Birgit Hartig und Ernst Brenning gemeinsam?

Sie sind private BesitzerInnen von Mietwohnungen und sie sind berlinweit bekannte ZwangsräumerInnen!
Georg Thaler vertreibt Nuriye Cengiz im Herbst 2012 aus ihrer Wohnung. Durch einen Umzug kommt sie der Zwangsräumungsvollstreckung zuvor. Als Rollstuhlfahrerin ist sie auf die ehemals bezirkseigene behindertengerechte Wohnung angewiesen. Daran, dass diese mal privatisiert werden würde, war zum Zeitpunkt ihres Einzuges nicht zu denken. Ihre Wohnung steht heute noch leer.

André Franell lässt die Familie Gülbol im Februar 2013 unter massivem Polizeiaufgebot aus ihrer Wohnung zwangsräumen. 1000 Menschen solidarisierten sich mit der Familie. Die Familie ist notdürftig bei Verwandten untergekommen und sucht noch immer eine eigene Wohnung.

Birgit Hartig lässt die schwerkranke Rentnerin Rosemarie F. im April 2013 zwangsräumen. Das ärztliche Attest wird vom Gericht nicht anerkannt. Es ist von ihrem behandelnden Arzt und nicht von einem Facharzt ausgestellt worden. Zwei Tage nach der Räumung stirbt Rosemarie F.

Ernst Brenning (Vermieter, Burschenschaftler und Rechtsanwalt) erwirkt mit Hilfe von Versäumnisurteilen gegen zwei Mietparteien (eine fünfköpfige Familie und eine alleinstehende Frau) in der Reichenberger Str. 73 Räumungstitel. Obwohl die Familie Berufung gegen das Urteil einlegt, kann Brenning die vorzeitige Räumung durchsetzen. Die ist auf den 27.3.2014 angesetzt. Die Wohnung wird die Familie also auf jeden Fall verlieren: Die Vollstreckung der Zwangsräumung wird durch das laufende Berufungsverfahren (nach Meinung des Anwaltes mit sehr guten Chancen) gegen das Räumungsurteil nicht ausgesetzt. Sollte die Berufung in einigen Monaten gewonnen werden, ist die Räumung lange schon vollzogen – eine bodenlose Sauerei, die jegliche verbliebene Rechtssicherheit von Mieterinnen und Mietern vollends untergräbt. Kurz vor Fristablauf findet die Familie tatsächlich nach einjähriger Suche eine andere Wohnung und muss nach der Zwangsräumung nicht in die Obdachlosigkeit: Ein Glücksfall! Allerdings zu dem Preis des Verlustes des gewohnten sozialen Umfeldes, Kindergarten- und Schulplätze der Kinder und der nagenden Gewissheit, nach Strich und Faden verarscht worden zu sein. Für das nächste Opfer der Brennings läuft am 31.3. dann die letzte Frist aus. In diesem Fall sollen Beleidigungen das Vertrauensverhältnis zerrüttet haben.

Das sind alles Zwangsräumungen, auch wenn sie nicht immer per Gerichtsvollzieher vollstreckt werden. Nicht alle können es auf ein letztes Kräftemessen ankommen lassen. Krankheit oder kleine Kinder zwingen Menschen dazu, vorher dem Psychoterror der Vermieterseite auszuweichen. Aber ein erzwungener Umzug ist auch eine Zwangsräumung, denn die Menschen verlassen nicht freiwillig ihre Wohnungen!

Wer die Wohnung verliert, verliert den Rückzugsort, die Basis für Gesundheit, soziale Vernetzung, Entspannung, Privatleben,… Die Folgen: Vereinzelung, Krankheit, zerstörtes Familienleben, Zukunftsängste. Daher genießt die Wohnung einen besonderen Schutz. Allerdings zählen diese Rechte angesichts des Verwertungsdrucks der Besitzenden nichts mehr. Für VermieterInnen ist es über die Zeit immer einfacher geworden, sich missliebiger Mietparteien zu entledigen, wie das Beispiel des „zerrütteten Vertrauensverhältnisses“ eindrucksvoll zeigt.

Die Reichenberger Str. 73 ist kein Einzelfall, aber ein Paradebeispiel für das skrupellose Vorgehen von VermieterInnen, die nicht genug bekommen können. Wehren wir uns! Lassen wir es nicht zu, herumgeschubst und verwertet zu werden! Wir wollen in Ruhe und ohne Psychoterror durch unsere VermieterInnen in unserem Zuhause wohnen können! Das können wir nur erreichen, wenn wir uns gemeinsam wehren und kämpfen.

So wie es zum Beispiel gerade die MieterInnen rund um das Kottbusser Tor machen. Sie haben sich in der MieterInnen-Initiative Kotti&Co zusammengeschlossen und akzeptieren die willkürlichen Mieterhöhungen des Hausbesitzers GSW nicht mehr. Ca 80 Mietparteien haben sich dafür entschieden ihre Miete mit Unterstützung von AnwältInnen selbst zu senken!
Kämpfen wir gemeinsam für unsere Wohnungen!

Deshalb kommt und solidarisiert euch mit unseren NachbarInnen:

25. März 18:00 Videokundgebung gegen Verdrängung und
Zwangsräumung vor der Reichenberger Straße 73

29. März 14:30 Lärmdemo ab Kotti – anschließend
16.00: Kundgebung vor der Reichenberger Str. 73