Verdrängung hat viele Gesichter

Dass eine Aufwertung von Stadtteilen mit einer Verdrängung der armen Bevölkerung einhergeht, pfeifen mittlerweile die Spatzen von den Dächern. In dem Viertel Alt-Treptow sind es nicht die großen Immobiliengesellschaften, sondern ArchitektInnen, die Grundstücke für den Bau von hochpreisigen Eigentumswohnungen erwerben, um sich ihre Leistungen vergolden zu lassen. Die hierfür benötigten InteressentInnen an diesem Geschäftsmodell nennen sich „Baugruppen“. In dem in der Nähe des Treptower Parks und der Spree gelegenen Viertel handelt es sich um meist um Angehörige der „alternativen Mittelschicht“ aus dem benachbarten Bezirk Kreuzberg, die Wohnungen zum Preis von mehr als 2.000 EUR/m² planen und bauen. Doch was passiert mit den Menschen, die nicht über die finanziellen Mittel verfügen, die mit einer geringen Rente oder den Geldern vom Sozialamt und JobCenter jeden Tag und jeden Monat um ihre Existenz kämpfen ?

Der Film „Verdrängung hat viele Gesichter“ gibt diesen Menschen ihren Raum. In ihren Äußerungen im Alltag und den Auseinandersetzungen bei der Wohnungsbaugesellschaft Stadt und und Land, den Kiezspaziergängen und den Besuchen bei Architekten, Baugruppen und „Kreativbüros“ wird sichtbar, was dieser sperrige Begriff „Gentrifizierung“ überhaupt bedeutet. Aber auch die die ProtagonistInnen der Baugruppen und ProjektentwicklerInnen erhalten die Möglichkeit, Ihre Sichtweise zu schildern. Es ist diesem Film anzusehen, dass es sich nicht um das Produkt einer kurzweiligen Reportage, sondern das Ergebnis einer mittlerweile fünfjährigen Auseinandersetzung handelt. Es gibt keine uns bekannte Dokumentation, die sich in so konsequenter Weise, manchmal ironisch oder humorvoll, an der Eigentums- und sozialen Frage orientiert. Er stellt letztendlich die Frage, in welcher Stadt oder welchem Land wir leben wollen.

Premiere am 09.10.2014, 18:30 Uhr im Moviemento, Kottbusser Damm 22 (Karten vorbestellen) Weitere Ankündigungen unter Termine oder auf der Webseite