Lautstarker Protest bei Veranstaltung des Senats zu Olympia

An der Pseudo-Beteiligungs-Veranstaltung des Berliner Senats zur geplanten Olympia-Bewerbung nahmen mit knapp 150 deutlich weniger Menschen teil als vom Senat erhofft. Dieser war von mindestens 350 Teilnehmer*innen ausgegangen. Von den verantwortlichen Politiker*innen war nur Bürgermeister Müller anwesend. Dieser verweigerte sich jeder Diskussion und verschwand unmittelbar nach seinem Vortrag.
Die Bühne war ausschließlich für Pro-Olympia-Redner*innen vorgesehen, die jedoch ständig von lautstarkem und wütendem Protest unterbrochen wurden. Ein großer Teil des Publikums machte deutlich, dass sie auf diese Art von Alibi-Pseudo-Beteiligungsveranstaltung überhaupt keine Lust haben, sondern eine Bewerbung um die Austragung olympischer Spiele in Berlin rundherum ablehnen.
Auch Bürgermeister Müller wurde häufig und lautstark unterbrochen. „Es ist eine Frechheit, dass Müller nicht müde wird zu betonen, wie wichtig Olympia für das Bild Berlins als einer weltoffenen, freundlichen Stadt sei. Wer sich den tatsächlichen Umgang Berlins mit Migrant*innen anschaut, etwa am Beispiel der Geflüchteten vom Oranienplatz, die vom Senat nach Strich und Faden beschissen wurden, kann dieses Argument nur noch zynisch finden“, sagt Petra Sundermeier von der Gruppe „Olympia verhindern“.
Auch die Pläne für den Bau des sogenannten „Olympischen Dorfes“wurden auf der Veranstaltung scharf kritisiert. „Die Menschen in Berlin brauchen jetzt bezahlbaren Wohnraum, und zwar alle Menschen“, so Markus Späth, ein Teilnehmer der Veranstaltung. „Dass der Senat für Milliarden Euro ein olympisches Dorf bauen möchte und für weitere Milliarden neue Sportstätten erscheint etwa angesichts der Tatsache, dass heute schon viele Geflüchtete ausgerechnet in Turnhallen untergebracht werden, weil es angeblich keinen angemessenen Wohnraum für sie in Berlin gibt, als absurd.“
Ein Mensch, der die Veranstaltung zwischenzeitlich verlassen hatte, wurde einige Meter vom Ausgang entfernt von Polizeibeamten der 11.Einsatzhundertschaft festgehalten, in Handschellen gelegt und in ein Polizeifahrzeug verfrachtet. Hier wurde ihm mitgeteilt, dass er auf der Veranstaltung Plakate aufgehängt haben soll, die sich kritisch zur Olympia äußerten, und dass er ab sofort einen Platzverweis für den Bereich der Veranstaltung habe.
Petra Sundermeier: „Der heutige Abend hat wieder einmal deutlich gemacht, dass der Versuch der an Olympia interessierten Politik und Unternehmen, Olympia um jeden Preis nach Berlin zu holen, weiterhin auf Widerstand und Protest stößt. Dass Kritiker*innen der Olympia-Bewerbung außerhalb der Veranstaltung durch Polizisten Festgenommen und mit Platzverweis belegt werden, zeigt die Hinterhältigkeit des Veranstalter dieses Pro-Olympia-Events heute Abend. Wir fordern den Senat auf, unverzüglich zu erklären, auf welcher Grundlage er heute Abend die Polizei aufgefordert hat, Teilnehmer an der Senats-Veranstaltung festnehmen zu lassen.“ Sundermeier weiter: „Trotz Schikanen und Festnahmen wird sich der der Widerstand gegen die absurde und teure Olympia-Bewerbung nicht so leicht einschüchtern lassen: Wir machen weiter – jetzt erst recht!“