Archiv für April 2015

Verkauf des Dragoner-Areals vorerst gestoppt

Die Entscheidung über den Verkauf des Dragonerareals, die heute im Finanzausschuss des Bundesrats auf der Tagesordnung stand, wurde verschoben. Im Vorfeld hatte das Bündnis Stadt von Unten mit breiter Unterstützung der Nachbarschaft in Kreuzberg 61 zahlreiche Gespräche mit Politikern verschiedener Parteien und Ebenen geführt und durch eine Mailaktion an die Finanzminister, an der sich über 1000 UnterstützerInnen beteiligten, Druck aufgebaut.
Mehrere Bundesländer – neben Berlin auch Brandenburg, Bremen und Schleswig-Holstein – hatten sich bereits öffentlich zu einer Ablehnung des Verkaufs bekannt. Weitere Bundesländer konnten sich bis heute zu keiner klaren Position durchringen. 13 von 16 Ländern fordern jedoch eine Änderung der BimA-Politik und folgen damit einem Vorschlag Berlins.
Die Verschiebung der Abstimmung gibt die Chance andere Länder von der Unsinnigkeit des Verkaufs zu überzeugen. Über diesen ersten Erfolg freut sich das Bündnis Stadt von Unten. Unermüdlich hatte man auf die systemische Problematik des Höchstbieterverfahrens verwiesen, durch das automatisch spekulative, vor allem an Profit interessierte Projektentwickler zum Zuge kommen. Im Getriebe der Bundespolitik scheint sich endlich die Erkenntnis breit zu machen, dass eine unnachhaltige Haushaltspolitik nicht über einer wirklich sozialen Wohnungspolitik stehen darf. Die Privatisierungsideologie scheint zu bröckeln.
Das Bündnis Stadt von Unten fordert den Investor „Dragonerhöfe GmbH“ auf, vom Kauf zurück zu treten. Das Land Berlin ist selbst an einer Übertragung des Geländes von der BImA interessiert um hier bezahlbaren Wohnraum zu realisieren. Dem Investor wird das auch öffentlich nicht zugetraut. Nach eigener Aussage wolle man die „Vorstellungen und Forderungen von Politik und Gesellschaft“ beachten. So bleibt als konsequentes Handeln nur der Rückzug vom Kauf.
Die Stadtgesellschaft fragt sich, mit wem will der Investor hier entwickeln, wenn keiner in Berlin sein Anliegen unterstützen kann? Erst wenn die Privatisierung des Geländes gestoppt ist, kann das vom Bündnis Stadt von Unten seit über einem Jahr geforderte Modellprojekt Stadt von Unten realisiert werden, dass wirkliche bezahlbare Mieten selbstverwaltet und kommunal umsetzen wird.