Archiv für Oktober 2015

Wie würden Sie entscheiden ?

Am 28.10.2015 um 11.30 Uhr ist es im Raum 2804 im Amtsgericht Mitte, Littenstraße, wieder soweit ; eine der letzten beiden Mietparteien der Kopenhagener Straße 46 steht vor dem Richter. Diesmal ist jede Seite mal Kläger und Beklagter. An diesem exemplarischen Fall wird deutlich, wie sich die Spirale der Gewalt gegen den Mieter dreht, wenn er es wagt, nicht sofort auszuziehen sollte er den Verwertungsinteressen des Eigentümers der Wohnung im Wege stehen.

Worum geht es dieses Mal?

1. Christmann vs. Fischer

Wegen Verweigerung der Modernisierungsarbeiten soll der Mieter mit einem „empfindlichen Ordnungsgeld von bis zu 250.000 € “ zur Duldung gezwungen werden. Verweigerung und Duldung wovon?? In der Wohnung des Mieters wurden bereits Modernisierungsarbeiten durchgeführt. Das Ergebnis bis zum heutigen Tage sieht so aus:
-kein Strom mehr
-kein Gas mehr
-kein Warmwasser mehr
-kein Kaltwasser mehr
-keine Heizung mehr

Was also wird hier von ihm verweigert… ??
…. die Deinstallation der Dusche, des Waschbeckens und des Toilettenbeckens !

Wozu benötigt unser renitenter Mieter Selbige überhaupt noch, wo er doch in der Wohnung eh nicht mehr wohnen kann und sowieso kein Wasser hat. Vielleicht kann ER diese Frage am Mittwoch beantworten.

2. Fischer vs Christmann

Da unser verweichlichter Mieter sich aber mit dem Leben in einer modernen 0,00 % Energie-Verbrauchs-Wohnung nicht recht anfreunden konnte, versuchte er über richterliche Anordnungen die Bewohnbarkeit der Wohnung wieder herstellen zu lassen. Die Richter/innen beim Amtsgericht hatten ein Herz für unser kleines Weichei und verfügten eine sofortige Wiederherstellung der Wasserversorgung, der Gasversorgung, der Stromversorgung und der zerstörten Baddecke. Nun will unser lieber Eigentümer Christ(o)mann den Mieter doch aber zu keinem Warmduscher degenerieren lassen. Also lässt er vor Zeugen seinen Anwalt verkünden, dass er die einstweiligen Verfügungen NICHT umsetzen wird. Als Mann von Welt hält er selbstverständlich sein Wort.
Warum eigentlich ?
Vielleicht beantwortet ER diese Frage am Mittwoch.

Ganz sicher soll der Mieter durch diese Maßnahmen und die mittlerweile 5 fristlosen Kündigungen nicht zum Auszug aus der Wohnung genötigt werden. Das wäre ja kriminell und ausserdem verliert doch kein Eigentümer gerne einen seiner beiden letzten Mieter in einem Haus voller neuer Eigentumswohnungen! Spannung ist also garantiert, wenn es am 28.10. um 11.30 Uhr heisst:

„Wie würden Sie entscheiden?“

Grüße aus der Kopenhagener Straße 46
http://kopenhagener.wordpress.com

Leerstand zu Wohnraum

Leerstand zu bekämpfen, allem voran spekulativen Leerstand, ist eine seit Langem erhobene Forderung der stadt- und mietenpolitischen Initiativen und Vereine, nicht nur in Kreuzberg und Berlin.
Daher begrüßen wir auch den Vorstoß der Grünen in der BVV Kreuzberg, die am 23.09. beantragte Wohnungen, die bekanntermaßen und in größerer Anzahl aus Spekulationsgründen leer stehen, wie z.B. und insbesondere Riehmers Hofgarten auf Grundlage des Gesetzes zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in Berlin (ASOG) zur Unterbringung von obdachlos Geflüchteten und Berliner*innen zu beschlagnahmen bzw. eine solche Nutzung zu erzwingen.“ Die CDU blockierte diesen Antrag, der somit, falls dieser in einem Monat in den BVV behandelt und in einen Ausschuss verlagert wird, vermutlich auf nicht absehbare Zeit verschoben ist.
Im genannten Riehmers Hofgarten stehen/standen um die 80 Wohnungen z.T. 5 Jahre leer; ca. 20 wurden in Ferienwohnungen der luxuriösen Kategorie umgebaut. Statt die Anlage, wie gefordert unter Milieuschutz zu stellen, werden dort aktuell Eigentumswohnungen der Luxusklasse zum Kauf angeboten.
Doch nicht nur da. Allein zwischen Rudi Dutschke Str. und Chamissoplatz stehen Wohnungen, Gebäudeteile und z.T. ganze Häuser, mit Wissen und Duldung der verantwortlichen Behörden, seit Jahren leer.
Um nur Einige zu nennen:
Ein Großteil des GSW Gebäudes in der Rudi Dutschke Str.
Wilhelmstr. 16 ─ mehrere Wohnungen
In den Häusern Wilhelmstrasse 56 – 59 stehen ca. 40 Wohnungen mit bezahlbaren Mieten leer, die z.T. vor nicht langer Zeit renoviert wurden. Seit April dieses Jahres werden sie vom Eigentümer gezielt zerstört. Denn das ganze Viertel mit fast 1000 Wohnungen, soll abgerissen werden und Luxusresidenzen weichen.
Mehringdamm 29: Seitenflügel plus Wohnungen im Vorderhaus
Bergmannstr. 9: zwei 1-Zimmer-Sozialwohnungen aus dem Bestand der GEWOBAG, die zeitweilig als FeWo benutzt wurden und ansonsten seit ca. 7 Jahren leer stehen
Kopischstr. 1: komplettes Vorder-, Hinterhaus und Seitenflügel

Die Wohnungsnot für bezahlbaren Wohnraum ist groß, nicht erst seit mehr Menschen, die gezwungen sind ihre Heimat zu verlassen, hier Zuflucht suchen. Dies verschärft die für Menschen mit geringem Einkommen, Zwangsgeräumte, Romas und Obdachlose, seit Jahren bestehende Situation lediglich.
Die Initiative ist zu begrüßen, aber auch überfällig! Wir fordern die Bezirksämter und den Berliner Senat auf, die Möglichkeiten von ASOG schnell umzusetzen.
Gerne sind wir bei der Nennung weiterer in Frage kommender Objekte behilflich, wie beispielweise der 7 000 möblierten und auf Zeit vermieteten Apartments des landeseigenen Unternehmens Berlinovo, das sich preist „jede immobilienwirtschaftliche Frage eine kreative Lösung (zu) finden“.
Auch fordern wir Sie auf, Initiativen, die aktiv die Nutzung leer stehender Räume als Wohnraum fordern, wie bspw. bei der Besetzung des ehemaligen TU-Gebäudes zu Monatsbeginn, zu unterstützen statt sie zu kriminalisieren.

Für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum für Alle!

Stadtteilinitiative Wem gehört Kreuzberg