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Hemmt Rendite mit Bestandswohnungen den Neubau?

Die Hamburger Straßenzeitung Hinz&Kunzt stellt in ihrer aktuellen März-Ausgabe das Thema Zwangsräumungen in den Mittelpunkt. Und zwar vor allem aus Berliner Sicht, denn der in der Lausitzer Straße aus seiner Wohnung geräumte Hinz&Kunzt 3/2013 zum Thema ZwangsräumungenAli Gülbol ziert das Titelbild, es folgen ein Bericht über die Auseinandersetzungen um seine Wohnung, Interviews mit einem Berliner Gerichtsvollzieher und mit Andrej Holm. Aus dem letzteren haben wir uns einen Ausschnitt geklaut, den wir recht bemerkenswert finden – es geht um städtische Mieten- und Wohnungspolitik:

H&K: Und wie lässt sich das Problem der Verdrängung sinnvoll lösen?

Holm: Instrumente wie Mietpreisbeschränkungen werden gegenüber dem Verwertungsdruck relativ wirkungslos bleiben, weil sie dem gar nicht standhalten können. Wenn man tatsächlich den Druck aus der Stadt raus nehmen möchte, müsste man eigentlich den Handel mit Grundstücken beschränken und den gesamten Berliner Wohnungsmarkt für die Glücksritter des Finanzkapitals unattraktiver machen.

H&K: Aber irgendjemand muss ja neue Wohnungen bauen. Wer wenn nicht die Investoren?

Holm: Immer wieder wird argumentiert, die geringen Neubauzahlen seien die Ursache für die steigenden Mieten und die Politik müsse jetzt endlich bessere Voraussetzung für Neubauaktivitäten schaffen. Doch weder in Berlin oder Hamburg war der Wohnungsbau in den letzten Jahren verboten. Eigentümer, die bauen wollten, konnten dies tun und haben es ja auch getan. In der Bilanz wurden jedoch in beiden Städten zu wenig Wohnungen errichtet. Hier geht es tatsächlich mal nicht um die Politik, sondern um ein systematischen Versagen des Wohnungsmarktes. Der Neubau stagniert, weil es viel attraktiver für Investoren ist, sich ein Grundstück mit einem Haus darauf zu kaufen und auf die Lücke zwischen Bestandsmiete und Neuvermietungsmiete zu spekulieren. Der Handel mit bebauten Grundstücken ist in Berlin vielerorts höher, als der mit unbebauten Grundstücken. Wer Investoren wirklich zum Bauen bewegen will, sollte zuallererst die Verwertungschancen in den Bestandswohnungen einschränken.

Mittwoch Kundgebung gegen Zwangsräumung


Rund 150 Leute vor dem Haus, in der Hausdurchfahrt und im Treppenhaus des Hinterhauses verhinderten am Montag, den 22. Oktober eine Zwangsräumung in der Lausitzer Straße in Kreuzberg. Foto: Adrienne Gerhäuser

Nach der verhinderten Zwangsräumung in der Lausitzer Straße am Montag gilt es nun den Eigentümer André Franell zu überzeugen, die Räumung ganz zurückzunehmen. Deshalb kommt Alle vor Franells Büro in seinem „Immobilienkompetenzzentrum“:

Emser Straße 9, Wilmersdorf (U-Fehrbelliner Platz)
Mittwoch, 24. Oktober um 16 Uhr

Gemeinsam gegen Zwangsräumung,
steigende Mieten und Verdrängung!

Sollte die Gerichtsvollzieher_in einen zweiten Versuch zur Räumung unternehmen, so wird das öffentlich gemacht:
zwangsraeumungverhindern.blogsport.de

Update: Bericht dazu in der Berliner Zeitung:
Kreuzberg: Wachsender Protest gegen Zwangsräumungen
und Schwerpunktthema in der Jungen Welt (25.10.)

Berichte zur verhinderten Räumung Lausitzer Straße

Videobeitrag von Leftvision:

Berliner Zeitung (sehr gut!)
Berliner Morgenpost
Artikel im Tagesspiegel (lausig)
Artikel im Berliner Kurier
Längerer Artikel mit Foto im Neuen Deutschland
Artikel in der Taz
Bericht auf Indymedia, auch zum Besuch beim Eigentümer und zur abendlichen Demo
Längere Fassung des Taz-Artikels bei Telepolis
Kurzer Artikel mit Foto und langer Artikel in der Jungen Welt
Fotos von der abendlichen Demo von PM Cheung und von Björn Kietzmann

Makler: Wegelagerei bei der Wohnungssuche

Es ist ein Gesetz der Wohnungsnot: Je leichter es sich für Vermieter und Makler darstellt, eine Wohnung am Markt loszuwerden, je kleiner der Vermietungsaufwand also wird, um so sicherer ist die Aussicht auf eine saftige Provision. Bei 30 oder 40 Wohnungsinteressent/innen auf einem Besichtigungstermin geht die Wohnung natürlich weg wie warme Semmeln. Eine Stunde Arbeit bedeuten so leicht 1500 oder 2000 Euro Honorar für den vom Vermieter beauftragten Makler. Ohne Ausweg für interessierte Mieter/innen, und das ganz legal.

Dem Goldgruben-Geschäft der Wohnungsmaklerei ist das Fernsehmagazin Panorama des NDR nachgegangen. Der Beitrag wurde vergangenen Donnerstag im 1. Programm gesendet und ist auch bei Youtube zu sehen.
(Mietrechtliche Tipps zur Provision gibt es bei der MieterGemeinschaft.)

Abendschau zur ‚Wir bleiben alle‘-Demo

Auch wenn es zu Beginn „nur“ 500 oder 700 Teilnehmer/innen gewesen sein mögen, später waren es definitiv 1200!

Fotos zur Demo:
Von Sulamith Sallmann bei Flickr
Beim Umbruch Bildarchiv
Von Imagedeluxe bei Flickr
Von O.D. Kampmann bei der Prenzlberger Stimme
Von AL bei Flickr
Auf dem Auguststraßen-Blog
Von dapd bei der Berliner Zeitung

Weitere Videos:
Von Kooper bei Vimeo
Von YuppieLabor bei YouTube
Beim Tagesspiegel